Cassie Clewentin - Unterdrückung der Gefühle

Hier könnt ihr eure Fanfictions und Gedichte zu Harry und seiner Welt vorstellen.

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Katniss Granger
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Cassie Clewentin - Unterdrückung der Gefühle

Beitrag von Katniss Granger »

Titel: Cassie Clewentin - Unterdrückung der Gefühle
Fandom: Harry Potter {wer hätts gedacht}
Rating: P12
Zu finden auf: FanFiktion.de -> by GoldenGlitter

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Prolog - Gefühle der Schuld

Meine Mom hat immer gemeint, dass man jede Trauer überstehen und jede Dunkelheit beenden würde. Früher hatte ich ihr geglaubt. Heute bringe ich für diese Aussage nur noch ein sarkastisches Lachen hervor.
Es ist gelogen, wie man eben ein kleines, unschuldiges Kind anlügt. Ich für meinen Teil bin nie über den Tod meiner Zwillingsschwester Jenna hinweggekommen. Dabei ist es nun schon vier Jahre her.
In diesen vier Jahren ist viel passiert. Einerseits hat sich mein Leben auf den Kopf gestellt, andererseits hab ich mich verändert. Als Jenna noch lebte, war ich ein aufgestelltes, fröhlich, sarkastisches und humorvolles Mädchen. Geblieben ist mir nur der Sarkasmus und an ihn klammere ich mich wie an ein Rettungsseil.
Früher hatte ich Jenna um ihre rötlichen Haare beneidet. Während ich ganz normale nussbraune Haare hatte, wiesen ihren Haare einen Rotton auf. Unsere Haare waren immer das Einzige gewesen, was uns unterschieden hatte - vom Aussehen her zumindest. Meine Haare fielen in langen, perfekten Locken über meinen Rücken, während ihre in einer pfiffigen, roten Kurzhaarfrisur ganz glatt ihr Gesicht umrahmten. Jenna war die weltoffene Person gewesen und mit allem und jedem ein Gespräch begonnen. So war es für uns beide leicht, Freundschaften zu schliessne und schliesslich endeten wir in einer Clique.
Nach ihrem Tod habe ich die Clique sozusagen verlassen. Nur drei der Elf habe ich noch an mich herangelassen. Doch mittlerweile habe ich auch zu ihnen fast keinen Kontakt mehr.
Der Grund dafür ist einfach: Meine Eltern versuchen mich zu 'heilen'. Von meiner Schule aus Amerika musste ich dann diese Zauberschule in Bulgarien besuchen. Zum Glück lerne ich so schnell Sprachen. Doch da Durmstrang fast nur Jungen hatte, fühlte ich mich dort eher ausgeschlossen. Vielleicht lag es auch einfach nur daran, dass ich mich selber ausschloss und zurückzog.
Auf jeden Fall wurde ich dann wieder versetzt nach einem Jahr. Nämlich nach Beauxbatons. Frankreich. Eine absolut annehmbare Schule - doch ich fand sie schrecklich. Zu viele Schickimicki-Tussen und wiederrum zu wenig männliche Wesen (und mir stand wirklich nicht danach, mich mit dem einzigen männlichen Professor dort zu unterhalten).

Nun war Sommer und leider schon bald September. Dann würde meine vierte Schule folgen: Hogwarts. England. Wenigstens musste ich keine neue Sprache lernen - obwohl ich nun keinen Vorwand mehr hatte, um nicht mit jemandem reden zu müssen.

Seufzend lag ich auf der Wiese hinter unserem kleinen Cottage am See. Nur noch zwei Wochen und es würde losgehen. Zum Glück hatte ich braune Haare. Es war viel einfach, nicht aufzufallen, wenn man braune Haare hatte und nicht Rote.
Ich stahl der armen Wiese Gras, indem ich das Besagte auszupfte.
Eins stand auf jeden Fall fest: Ich wollte auch nicht auf Hogwarts zur Schule!

Schon im Vorraus hatte ich nur ein Ziel für das nächste Schuljahr: Weg von Europa und zurück nach Amerika!
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Clarissa Granger
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Re: Cassie Clewentin - Unterdrückung der Gefühle

Beitrag von Clarissa Granger »

Echt schön. Mir gefällt der Anfang und ich freue mich schon auf weiteres.
"It's better so be alone sometimes..."
"Why?"
"Because no one can hurt me..."

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Katniss Granger
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Re: Cassie Clewentin - Unterdrückung der Gefühle

Beitrag von Katniss Granger »

Kapitel 1 - Es müsste nur das Auto explodieren

Wenn eine Welt zerbricht, dann zerbricht sie meistens leise. Ganz für sich. Oder aber sie zerbricht laut. So laut, das die ganze Welt es hört. Die Welt meiner Schwester ist laut zerbrochen und die Scherben haben sich tief in mein Herz gebohrt und nicht einmal ich selber vermag es, sie dort wieder hinauszuziehen.
Doch warum zerbrechen einige Welten so laut und andere - so wie meine - so leise?
Das sind meine Gedanken, als ich auf dem Rücksitz unseres Autos sitze, den Kopf ans Fenster gelehnt. Bei jeder kleinen Holperung knallt mein Kopf gegen die Scheibe und übertönt für einen kurzen Moment das Prasseln des Regens. Was würde man von London auch anderes erwarten, als dass es dich mit Regen begrüsst.
Die Häuser der Stadt ziehen an mir vorbei. Ich beobachte einige Fussgänger, als wir an einer roten Ampel halten. Ein kleiner Junge hebt höchst interessiert einen Zigarettenstummel auf und kriegt sogleich eine Standpauke seiner Mutter, die sich gewaschen hat. Der Junge muss wohl wiedersprechen, denn er kassiert eine saftige Ohrfeige.
Früher wäre ich jetzt ausgerastet, gemeinsam mit Jenna. Wir hätten der Mutter am liebsten unsere Meinung gesagt und um das zu tun wären wir gerne aus dem Auto ausgestiegen. Doch mein Blick bleibt teilnahmslos und mein Kopf knallt ein weiteres Mal an die Scheibe, als das Auto mit einem Ruck weiterfährt.
Ich frage mich, warum das Auto nicht einfach für immer hätte stehen bleiben können. Denn es bringt mich zum Bahnhof. Zum Bahnhof Kings Cross.Dort wird ein Zug losfahren, der dich in ein neues Leben bringt, hat meine Mutter gesagt.
So ein Schwachsinn. Wenn ich nur mit einer Zugfahrt in ein neues Leben reisen könnte, hätte ich das doch schon längst getan.
Stattdessen sitze ich hier, in einem silbriggrauen Auto inmitten eines verregneten Londons - und habe alle Lust zu leben verloren.
Mein Vater übersieht einen Stein auf der Fahrbahn. Wie schon unzählige Male davor löst sich mein Kopf von der Scheibe, nur um wenig später wieder dagegen zu knallen.
"Cassie, setz dich bitte anständig hin. Ich kann dieses dumpfe Geräusch nicht mehr hören", tadelt mich meine Mutter sanft, aber bestimmt. Ich mache keine Anstalten meine Sitzposition zu verändern und schaue weiterhin gleichgültig aus dem Fenster. Wieder einmal spüre ich den drängenden Wunsch, meine Familie loszuwerden. Das ist das einzig Gute an diesen vielen Schulen: Ich bin nicht bei meiner Familie.
Obwohl es mein innigster Wunsch ist, nach Amerika zugehen, will ich nicht mehr nahe bei meiner Familie sein. Ich weiss auch, warum das so ist: Weil Jenna auch ein Teil meiner Familie ist und weil sie immer noch in mir herumgeistert. Es ist einfach: Ich habe sie nie losgelassen und so kehrt sie immer wieder zu mir zurück. Verwandelt meine Träume in Alpträume, glückliche Erinnerungen in schmerzhafte und Lebensmut in Trauer. Weil sie fehlt und ein Loch in mir zurück gelassen hat. Und Scherben in meinem Leben.
Ein Fachausdruck für meinen Zustand? Depressiv. Suizidgefährdet. Hirnkrank. So lautet meine Diagnose von unzähligen psychischen Tests. Egal ob Muggel- oder Zauberwelt. Sie alle erzählen mir das Gleiche. Und bei allen ist es mir egal, was sie sagen.
Aber eigentlich wäre die Lösung des Problemes ja naheliegend: Es müsst nur das Auto explodieren. Und schon wäre ich weg. Meine Eltern würden überleben und ich würde zu meiner Schwester ins Totenreich gehen.
Aber leider wird das Auto nicht explodieren. Den der Tod kommt nur zu den Menschen, die ihn nicht wollen. Oder ihn erzwingen.
Ich habe es noch nie versucht. Meinen Tod zu erzwingen meine ich. Aber ich denke ständig darüber nach.
Wie durch eine Scheibe höre ich das Gespräch meiner Eltern. Ihre Stimmen sind gedämpft, sie haben den Radio leise angeschaltet. Also reden sie über mich. Sie sind immer leise, wenn sie über mich reden. Sie denken, ich höre nicht mit. Das tue ich auch nicht - nicht mehr. Weil ich weiss, worüber sie reden: Dass ich depressiv bin. Suizidgefährdet. Hirnkrank.
Ein lautloser Seufzer entfährt meinen Lippen.
Das stimmt doch alles nicht, glaube ich zumindest.
In erster Linie bin ich nämlich nur eines: trauernd.
Und das seit über vier Jahren.
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Katniss Granger
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Re: Cassie Clewentin - Unterdrückung der Gefühle

Beitrag von Katniss Granger »

Kapitel 2 - Abreise
"Cassie? Wir sind gleich da", sagt meine Mutter. Ich gebe ihr keine Antwort, nicht mal ein Zeichen, dass ich sie verstanden habe. Wozu auch? Wir würden sowieso ankommen, ob ich jetzt so tun würde, als hätte ich es nicht gehört oder ob ich ihr antworten würde.
Stattdessen schweife ich mit meinen Gedanken wieder ab. Das tue ich oft. In Gedanken kann ich das Chaos um mich herum etwas ordnen. Ein paar wenige Scherben zusammenfegen. Oder einfach nur von der Realität verschwinden.
Cassie. Warum haben sie mich so getauft? Cassie ist eine Kurzform von Cassandra. Cassandra Clewentin. Hört sich auch nicht toll an. Dann mag ich Cassie doch lieber. Obwohl viele Leute es einfach nicht begreifen, dass ich Cassie und nicht anders heisse. 'Aber Liebes, warum magst du es denn nicht, wenn ich dich Cassandra nenne?'. Na warum wohl, Tantchen? Weil ich nicht so heisse!
Dieser Gedanken entlockt mir ein Schnauben. Meine Eltern überhören es einfach. Sie sind genauso gut im weghören wie ich, das beweisen sie mir immer wieder. Vielleicht sind sie es Leid, jeden Kampf gegen mich zu verlieren. Denn das tun sie. Also hören sie weg.
Abt Aurelius wollte mir in der Selbsthilfegruppe beibringen, dass wegsehen nicht die Lösung des Problemes ist. Na und? Gab es denn eine Lösung des Problemes? Meine Eltern finden: Ja. Es würde eine geben, wenn ich wieder so eine Kämpferin werden würde wie früher.
Definiere Kämpferin. Soll ich mir ein Gewehr schnappen und in den Krisenländern unschuldige und schuldige Menschen abknallen? Oder soll ich mit einem grossen Kampf versuchen, mein altes Leben zurückzugewinnen?
Beides ist vollkommener Schwachsinn. Ersteres bringt mir einen Scheissdreck und zweiteres ist unmöglich. Es gibt mein altes Leben nicht mehr. Denn für dieses Leben würde ich Jenna brauchen. Und Jenna ist nicht mehr da.
Womit wir wieder beim Kern des Problemes wären. Fazit: Es gibt keine Lösung. Ich warte einfach, bis ich endlich dahinscheide. Das ist wohl das Beste für uns alle.

Das Auto bleibt mit einem kleinen Ruck vor dem Bahnhof stehen. Ich will nicht aussteigen, aber ich tue es. Ich knalle die Autotüre absichtlich laut zu, weil ich weiss, dass Mutter das hasst. Vater hievt den Koffer aus dem Auto.
"Versprich uns, dass du es wenigstens versuchen wirst!", fleht meine Mutter. "Ich verspreche es", antworte ich. Die Lügen fliessen mir einfach so über die Lippen. Lügen und wegsehen, daraus besteht meine Welt.
"Wenn du es doch nur ernst meinen würdest", seufzt Mutter. Normalerweise glauben sie mir die Lügen. Aber nicht wenn es um solche Dinge geht. Weil sie meine Einstellung sehr genau kennen. Ich will zurück nach Amerika, nicht auf jeder europäischen Zauberschule der Welt unterrichtet werden. Ich könnte ja auch auf eine Muggelschule. Schliesslich bin ich Halbblut.
Jetzt gebe ich keine Antwort mehr. Es hat ja doch keinen Sinn. Teilnahmslos streiche ich mir eine braune Locke aus dem Gesicht.
"Pass auf dich auf, Cassie", wünscht sich mein Vater und will mir einen Kuss auf die Stirn geben. Wie immer weiche ich zurück, ich hasse Berührungen. Vater seufzt und schliesst den Kofferraum. Mutter versucht, mich zu umarmen, aber ich stosse sie weg. Achtlos, wie eine nervige Fliege. Auch Mutter seufzt. Warum begreifen sie es nie?
"Findest du den Weg allein?", fragt Mutter.
"Nein, ich bin fünf Jahre alt", gebe ich ironisch zurück, doch sie überhört es.
"Dann viel Spass, Schatz", wünscht sie mir schliesslich. Ohne ein weiteres Wort drehe ich mich um, schnappe mir meinen Koffer und stapfe davon. Gleis neun drei was auch immer. Ich betrete den Bahnhof und suche die Anzeigetafel ab. Nicht etwa wegen Gleis neun drei was auch immer. Ich suche den Zug zum nächsten Flughafen.
Doch natürlich habe ich mich zu früh gefreut. Hand in Hand erscheinen meine Eltern hinter mir. "Du musst auf Gleis neun, Schatz." Sie hatten also geahnt oderzumindest vermutet, dass ich abhauen würde. Mission failed.
Meine Eltern gehen voraus, Vater wirft ab und zu einen Blick zurück. Ich beachte die beiden nicht. Bald bin ich aus diesem Käfig der ewigen Überwachung raus und kann tun was ich will. Von Hogwarts abhauen wird sicher leicht.

Wenige Minuten später stehen wir auf dem Gleis neun. "Jetzt musst du durch die Abschrankungen rennen." Meine Eltern haben doch einen Vogel.
"Ich dachte, ihr wollt mich davon abhalten, Selbstmord zu begehen", erwiedere ich gehässig. Mein Vater beginnt zu schmunzeln, während meine Mutter ganz und gar nicht amüsiert über meine Worte ist.
"Ich meine es Ernst Cassie. Wir kommen auch mit, wenn du willst", schlägt sie vor. Ich wiege meine Chancen ab. Wenn sie mich belügt, lande ich mit grosser Wahrscheinlichkeit im nächsten Spital wegen einem Knochenbruchs. Ich muss nur richtig hinein rennen. Falls sie mich nicht belügt...ach, was solls, ich habe sowieso keine Wahl. Also renne ich samt dem Rollkkoffer auf die Absperrung zu. Leider weiss ich, dass Mutter nicht lügt. Sie würde mich nie mit sowas belügen. Deshalb habe ich auch keine Angst - Angst allgemein ist etwas, das ich seit dem Tod von Jenna nicht mehr gespürt habe.
Die Abschrankung umhüllt mich und ich stolpere aus dem anderen Ende und finde mich auf einem Gleis namens Neun drei Viertel wieder. Aha. Der Zug zur Hölle steht bereits dort und qualmt den ganzen Bahnsteig voll. Meine Eltern tauchen hinter mir auf, ich ignoriere sie und laufe stattdessen zum Zug.
Mir bleibt sowieso nichts anderes übrig. Ich ignoriere die Menschen um mich herum und bahne mir einen Weg durch die Menge, ramme aus Versehen ein kleines Mädchen, entschuldige mich aber nicht. Wieso auch?
Mit einem Ruck hieve ich meinen Koffer in den Zug. Ich hasse Menschen.
Zum Glück bin ich fast zu hinterst eingestiegen. Hier ist es vergleichsweise leer. Ich finde noch ein leeres Abteil; schmeisse meinen Koffer auf einen Sitz. Dann verschliesse ich die Tür des Abteils mit einem Trick. Ich bin selbst etwas überrascht, dass es mit einer Nadel funktioniert.
Meine Eltern stehen wohl irgendwo in der Menge und suchen mich. Mir egal.
Nach einigen Minuten teilnahmslosem Wand anstarren will ein Mädchen die Abteilstür öffnen. Ich ignoriere sie. Das Mädchen rüttelt daran und klopft schliesslich an. Ich ignoriere sie. Gedämpft höre ich ihr Schnauben und aufgebrachte Wort zu einem weiteren Mädchen, dann stiefelt sie mit wackelndem Po weg. Ich ignoriere sie.
Dann, völlig unvermittelt, beginnt der Zug mit einem leisen Husten und einem kurzen Ruck an zu fahren.
Die Reise in die Hölle hat soeben begonnen.
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Katniss Granger
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Re: Cassie Clewentin - Unterdrückung der Gefühle

Beitrag von Katniss Granger »

Kapitel 3 - Kein Weg zurück

Es wird Leute geben, die auf ein Wunder hoffen würden, wenn sie in meiner Situation stecken würden. So ein Schwachsin! Wunder gibt es nicht und wird es auch nie geben. Gelangweilt sehe ich aus dem Fenster. Angst und Nervosität kenne ich nicht mehr.
Ich seufze. Trotz fehlender Angst und Nervosität habe ich keine Lust, heute zu der Schülerschaft zu gehören. Der Grund dafür ist einfach: Ich hasse es, aufzufallen, aber mal ehrlich, wer fällt als Neuling schon nicht auf? Ist man ruhig, entstehen sofort irgendwelche Geistergerüchte oder man bekommt die seltsamsten Komplotts angedichtet. Versucht man aktiv Freunde zu finden, so wird man als die überdrehte, komische Amerikanerin dargestellt, die keine Ahnung von Benehmen hat. Mittlerweile prallt beides an mir ab, sowieso lasse ich die wenigsten wissen, dass ich Amerikanerin bin. Meinen Dialekt kann ich ganz gut verstellen. Meine Stimme allgemein.

Der Zug ruckelt und die Fahrt wird langsam eintönig. Der Blick aus dem Fenster zeigt mir, dass wir bereits irgendwo im Nirgendwo sind. Musik ist jetzt genau das Richtige. Ich ziehe mein Handy aus der Tasche - gerade noch schnell genug, um zu sehen, dass der letzte Balken verschwindet. Das darf doch nicht wahr sein! Nichtmal Empfang? Ein Stöhnen entkommt aus meinem Mund. Es wird ein Höllenjahr werden, ich spüre es. Beziehunsgweise, mein Pessimismus spürt es.
Trotz allem gebe ich die Hoffnung noch nicht auf und krame aus meiner abgewetzten Ledertasche meine rabenschwarzen Kopfhörer. Ich stopfe sie mir ungeschickt ins Ohr und schalte die Musik an.
Die Entspannung durch die Musik währt nicht lange. Knapp zwei Minuten später wird mein Handy schwarz und die Musik verstummt. Hilflos drücke ich auf den Tasten herum: Nichts.
"Das darf doch nicht wahr sein!", knurre ich und werfe mein Handy an die gegenüberliegende Wand. Dabei reisst es mir die Kopfhörer aus den Ohren. Ich ziehe nur kurz Luft durch die Zähne ein und meine Laune sinkt um weitere 20°. Damit wären wir jetzt bei Minus 3020°. Was für ein absolut toller Tag!
Bevor ich mich noch weiter aufregen kann, hält der Zug an. Ich bin mir den schnellen Stopp nicht gewohnt, rutsche vom Sitz und lande auf dem Hintern. Ein Schimpfwort entfährt mir als gepresstes Murmeln. Bevor jemand vor dem Abteil durchläuft rapple ich mich hoch. Ich stehe keine zwei Sekunden, da trudeln die Schüler nur so an meiner Abteilstür vorbei. Ein Mädchen bleibt stehen - ein Fehler ihrerseits. Der kleine Junge hinter ihr läuft in sie hinein und beide verlieren beinahe das Gleichgewicht. Leider nur beinahe.
Das Mädchen drückt sich gegen die Abteilstür, damit die anderen vorbeikönnen und klopft. Mein Rücken dreht sich zu ihr - ich ignoriere sie. Ich hieve meinen Koffer von der blöden Gepäckablage runter und nehme den Henkel in die Hand. Meine Ledertasche ziehe ich über den Kopf, dann öffne ich die Tür und will hinaus, doch das Mädchen versperrt mir den Weg. Sie sagt in Höllentempo irgendeinen Namen, den ich nicht verstehe und deutet auf ein komisches Abzeichen, auf welches sie mächtig stolz zu sein scheint.
"Du kannst dein Gepäck hier lassen, es wird abgeholt", sagt sie dann und ich lasse meinen Koffer los. Er rollt zurück und prallt gegen die Aussenwand des Zuges. Erneut will ich mich am Mädchen vorbeizwängen.
"Du musst noch die Schuluniform anziehen", meint sie dann. Was fürn Ding?
"Habe ich nicht", knurre ich. Nun ist sie diejenige, die sich an mir vorbeizwängt und einfach meinen Koffer öffnet.
"Mädel, stopp mal!" Meine Worte scheinen sie nicht zu interessieren und ehe ich sie von meinem Koffer wegzehren kann, wirft sie mir komische Strümpfe, einen Minirock von vorletzter Saison, ein weisses Hemd und einen grauschwarzen Pullover zu. Achso, sie meinte die Schuluniform! Soll sie doch gleich sagen, denke ich genervt.
"Jetzt müssen wir aber vom Zug raus, sonst fährt er weg." Sie geht vor und als ich mich weigere, packt sie mich einfach am Handgelenk und zieht mich mit. Freakshow! Ich fühle mich fehl am Platz und stolpere hinter ihr her. Aktueller Launenstand: Minus 4320°.
Kaum sind wir aus dem Zug, lässt mich das Mädchen - endlich! - los und lässt mich alleine stehen. Ich presse mich dem Zug entlang durch die Menge und ziehe mich am nächstbesten ungestörten Ort um.
Widerwillig schliesse ich mich unauffällig einer Gruppe Mädchen an und setze mich allein in eine Kutsche. Ich kriege keine Gesellschaft, was mich einerseits erstaunt, worüber ich andererseits aber auch froh bin.
Ich werfe einen Blick vor die Kutsche und entdecke die Thestrale. Ihr Anblick lässt die Verschlossenheit in mir wieder aufglimmen. Ich schwöre mir, dass die Worte zum Abzeichen-Mädchen die letzten in diesem Schuljahr waren. Einsam und trauernd ziehe ich mich in mein Schneckenhaus zurück und starre in den finsteren Wald.
Es wird keinen stören das ich ruhig bin, denke ich. Schliesslich habe ich allen Grund dazu.Depressiv. Suizidgefährdet. Hirnkrank. Basta, aus, Amen, finito. Mir muss keiner mehr kommen.
Mein Herz sehnt sich nach Amerika und ich verwünsche das Schloss, als ich es zum ersten Mal sehe. Ich verwünsche die Leute, die unbequeme Uniform, die Kutsche, den Wald, den Schmetterling, alles.
Ich denke an Jenna. Sie hätte es hier geliebt. Sie hätte alles geliebt. Die Leute, die unbequeme Uniform, die Kutsche, den Wald, den Schmetterling, alles.
Und genau deswegen ist es meine Aufgabe diese Dinge zu hassen.
Alle.
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Katniss Granger
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Re: Cassie Clewentin - Unterdrückung der Gefühle

Beitrag von Katniss Granger »

Kapitel 4 - Schwarz, Blond, Braun
Das Schloss ist - und das gebe ich nur ungern zu - ziemlich eindrucksvoll. Die Türme ragen bis weit in den Himmel und ein düsterer Schatten fällt auf das im Mondlicht glänzende Wasser. All die bestärkt meine Meinung: Ich hasse es hier.
Ich springe aus der Kutsche und sehe mich um. Mühsam fische ich einen Brief aus meiner Tasche und öffne ihn. Sehr geehrte...Ach halt doch die Klappe, denke ich bei diesen Zeilen und lese die fettgeschriebene, wichtige Zeile.Zur Einteilung ihres Hauses wenden Sie sich bei der Ankunft im Schloss an Professor McGonagall. Sie wird Ihre Einteilung vornehmen. Danach dürfen Sie sich in die Grosse Halle begeben.Alles schön und gut, nur: Wo finde ich diese blöde McGonagall und was zum Teufel ist die Grosse Halle?
Sauer auf diese unfähigen Leute suche ich meinen Weg zum Schloss. Eine alte Frau mit grünem Spitzhut steht vor einem grossen Eichentor und scheint mich bereits ins Visier genommen zu haben. "Ms Clewentin?", fragt sie mich, gerade als ich mit neutraler Miene an ihr vorbei will. "Leider", gebe ich zur Antwort und sie mustert mich mit hochgezogener Augenbraue. "Folgen Sie mir", weist sie mich knapp an und schreitet durch die weitläufige Eingangshalle. Ich sehe mich nebenbei ein wenig um. Schrecklicher Baustil.
Wir enden in einer kleinen Kammer unter einer grossen Marmortreppe. Sie zieht einen staubigen, alten Hut aus dem Regal und plötzlich weiss ich wieder, was ich gelesen habe. Hufflepuff, Ravenclaw, Gryffindor und Slytherin. Ich konnte mich selber nie zu einem Haus einteilen, aber ich tendiere zu Gryffindor oder Slytherin. Warum?
Eine Hufflepuff, freundlich und hilfsbereit? Erzähl jemand anderem diesen Kekse. Eine Ravenclaw, fleissig und klug? Das ich nicht lache. Eine Slytherin, hinterlistig und loyal. Hinterlistig immer gerne, aber loyal? Zu wem denn? Eine Gryffindor, mutig und tapfer. Mutig? Naja, wie man es nimmt. Tapfer? Wäre ich so einsam, wenn ich tapfer wäre?
Dementsprechend: Ich fühlte mich zu keinem Haus hingezogen.
Die Spitzhutfrau hat mir mittlerweile irgendwas vom Sprechenden Hut, Einweihungszeremonie und 1. Klässlern erzählt und ich nicke einfach brav. "Dann setzen Sie sich auf den Stuhl", weist sie mich an und deutet auf einen staubigen Stuhl. Ecklige Kammer. Kaum sitze ich, spüre ich den Hut auf meinem Kopf. Als die spitze, hohe Stimme an mein Ohr dringt, würd ich mir jenes am liebsten zuhalten.
"Hufflepuff scheint unpassend, Gryffindor auch? Vielleicht doch Ravenclaw, versteckte Talente oder gar Slytherin?",teilt er mir seine Gedanken mit, die ich gar nicht hören will. 'Sag mir einfach das blöde Haus!', denke ich genervt.
"Ich finde, Sie würden sich in Gryffindor ganz gut machen, aber Ravenclaw würde Sie weiter bringen... Ich denke sie gehören nach SLYTHERIN!"Das letzte Wort schreit er, als würden 300 Schüler vor mir sitzen und ich wäre beinahe zusammengezuckt. Die Spitzenfrau, die wohl McGonagall sein muss - ich werde sie von jetzt an liebevoll McG nennen (Sarkasmusschalter - ON) - lächelt nicht, sondern nimmt mir freudlos den Hut ab. Schliesslich bekomme ich ein halbes Lächeln und ein ehrlich gemeintes 'Herzlich Willkommen auf Hogwarts', dass mich am Ar*** lecken kann. Anstandshalber ringe ich mich zu einem Lächeln durch, dass mehr als nur gespielt ist und sie deutet mir, ihr erneut zu folgen, als sie den Hut von meinem Kopf genommen hat. Sie führt mich zurück in die Eingangshalle und deutet auf eine Tür. Ein regelrechter Schülerstrom drängelt sich durch diese Tür hinein. Ich tippe auf die Grosse Halle. "Setzen Sie sich an Ihren Haustisch", weist mich McG ein letztes Mal an und ehe ich mich versehe ist sie weg. Happy End.
Ich sehe an mir herunter und bemerke erst jetzt, dass diese Hexe - wortwörtlich! - meine Kravatte und allerlei anderen Krimskrams grün gemacht hat. Was zum Teufel..?!
Mit einer Laune in den unbeschreiblichen Minusgraden und einer geballten Ladung Sarkasmus und Gereiztheit zur Abwehr der Aufreissung von inneren Wunden - gib es zu, du verstehst diesen Satz nicht - bewege ich mich auf den Schülerstrom zu und werde von jenem verschluckt.
Mitten im Gedrängel lande ich in der Grossen Halle. Die Decke scheint endlos, geschmückt ist sie atemberaubend und die vielen Gedecke kann man nicht zählen. Das alles finde ich - wie zu erwarten - äusserst..langweilig. Es beeindruckt mich nicht, es bringt mir keine gute Laune und es bringt mir vorallem meine Schwester nicht zurück. Ich verschwende hier meine Zeit, während ich in Amerika etwas tun könnte, etwas Sinnvolles. Zum Beispiel neue Blumen auf Jenna's Grab legen.

Als ich endlich herausgefunden habe, an welchen Tisch ich mich setzen muss (eigentlich war es gar nicht so schwer, sie haben alle die gleichen beknackten Kravatten wie ich an), werde ich bereits angesprochen. Ein aschblonder Junge sitzt neben seinem purem Gegenteil: Ein durch und durch schwarzer Junge - nein, das ist nicht rassistisch gemeint (und dies wiederum einmal nicht sarkastisch) - der mich interessiert mustert. "Ich bin Draco. Draco Malfoy", stellt sich der blonde Junge vor. Als Antwort ziehe ich eine Augenbraue hoch und setze mich hin, zwei Plätze neben dem Jungen, aber auf der anderen Seite des Tisches. "Blaise Zabini", murmelt sein Nachbar, während er mich weiterhin einem Kontrollblick unterzieht. Ich hasse es, denn was, wenn jemand einmal durch meine Mauern sehen kann?! Ich habe diese Mauern mühsam errichtet.
"Wie heisst du?", fragt der blonde Junge, sichtlich davon genervt, dass ich ihn ignoriere. Ein Grund mehr, es weiterhin zu tun. Gerade als ich zu einer sarkastischen Antwort ansetze, landet ein braunes Etwas schwungvoll nebenmir. Oh, es ist ein Mensch.
"Lass sie in Ruhe, Dracoklein, sie ist neu und ich soll auf sie aufpassen", meint das Mädchen grinsend und erntet dafür von besagtem Draco einen Todesblick - ich nehme an, wegen des Spitznamens. Mir geht das mittlerweile alles etwas schnell und ich wünsche mich zurück in die Kutsche.
Das Mädchen wendet sich mir zu. "Shiori Maenna Casterville", stellt sie sich vor und streckt mir die Hand hin. Ich drehe ihr den Rücken zu und sehe zum Schulleiter, der sich ans Rednerpult stellt. Sichtlich überfordert mit der Situation, beginnt Shiori etwas zu stottern, als sie ein älterer Schüler zurechtweist, sie soll still sein. Keine Sekunde später beginnt Dumbledore zu reden. Ich höre, wie man es von mir erwartet, nicht zu.
Das Braunhaarige Mädchen flüstert mir von hinten etwas ins Ohr und der Reflex sagt mir, ich soll mit dem Ellbogen nach hinten schnellen. Doch mein Ellbogen bleibt wo er ist: Locker auf der Tischplatte, sowie mein gesamter Unterarm. "Wie heisst du?"
Erneut gebe ich ihr keine Antwort, sondern sehe nach vorne und tue, als würde ich Dumbledore zuhören. "Dann eben nicht, Cassie Clewentin." Als ich meinen Namen höre, wäre ich am liebsten zusammengezuckt. Doch ich verbiete mir schon lange, zusammenzuzucken. Es ist ein Zeichen von Schwäche und Angst. Ich habe keine Angst mehr in mir - nur noch Trauer.
"Der Schulleiter hat mir deinen Namen gesagt, als er mir aufgetragen hat, mich um dich zu kümmern. Ich glaube, er hat von Anfang an geahnt, dass du zu uns nach Slytherin kommst. Toll hier nicht? Jedenfalls darfst du dich immer an mich wenden, wenn du eine Frage hast." Ja, so sehe ich aus. Lieber rede ich mit einem Walross.
Unbeirrt davon, dass ich ihr noch immer keine Antwort gebe, fährt sie fort. "Unser Schlafsaal liegt im Kerker, ich führe dich nach dem Essen hin." Danke, aber ich finde den Weg nach Amerika alleine.
"Der Hauslehrer Professor Snape unterrichtet Zaubertränke. Er bevorzugt uns, was wir alle lieben, deswegen geben wir uns Mühe, den Hauspokal zu holen, damit er nicht sauer auf uns ist." Ist mir doch egal, ob noch einer mehr sauer auf mich ist.
"Es ist wichtig, Hauspunkte zu sammeln. Diese kriegt man, wenn etwas Tolles macht. Wenn man Schlechtes macht, unhöflich ist oder sich einfach sonst falsch benimmt, werden Punkte abgezogen." Ich weiss schon, wer den neuen Slytherinrekord in Punkteabzug aufstellen wird.
"Unsere Quidditchmannschaft war bisher ziemlich gut. Wenn du Lust hast mitzuspielen, meld dich zum Probetraining an. Dann kannst du für Slytherin Quaffel durch die Tore schiessen!" Ich würde dir gerne einen Quaffel an den Kopf schiessen.
'Shiori mit dem komischen Namen' ist mittendrin in ihren Erzählungen und das voller Enthusiasmus. Warum um Himmels Willen teilt mir der Schulleiter einen Babysitter zu?
"Ich helfe dir in den ersten Wochen die Schulzimmer zu finden. Das Schloss ist ziemlich verwirrend. Hier gibt es viele Geheimgänge, die man entdecken kann." Sie redet ziemlich durcheinander gemischelt und ich verstehe nicht sehr viel von dem was sie sagt.
"Unser Hausgeist ist der Blutige Baron. Er ist eigentlich das Oberhaupt der Geister, alle hören auf ihn. Sogar Peeves, der Poltergeist." Stell dir vor, ich habe gerade eben noch einen Poltergeist kennengelernt - er ist Brünette.
Dumbledore's Rede verpasse ich wegen dem Geplapper gekonnt und als alle klatschen, klatsche ich nicht mit - ich weiss ja nicht, wofür ich klatschen würde! Weil ich mich nicht wie der Rest der Menge verhalten, stösst Shiori mir ihren Ellbogen in den Rücken. Erneut unterdrücke ich den Ellbogen-Reflex.
Nur ein Gedanken schwirrt durch meinen Kopf und setzt sich so hartnäckig fest, wie hart gewordener Kaugummi: Ich will endlich nach Hause.
Ich schicke ein Stossgebet zum Himmel, dass es ausser Hogwarts, Durmstrang und Beauxbatons keine Zauberschule in Europa mehr gibt, auf welche mich meine Eltern schicken könnte.
Bitte, du im Himmel, was oder wer auch immer du bist: Sei nur ein einziges Mal gnädig mit mir!
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ladyloubou
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Re: Cassie Clewentin - Unterdrückung der Gefühle

Beitrag von ladyloubou »

Finde ich sogar noch besser als die andere!
Schreib schnell weiter!
~ Lou
Scheiss auf alles, scheiss auf Jeden, sei ein Stein und roll durchs Leben.

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Re: Cassie Clewentin - Unterdrückung der Gefühle

Beitrag von Katniss Granger »

ladyloubou hat geschrieben:Finde ich sogar noch besser als die andere!
Schreib schnell weiter!
~ Lou
Vielen lieben Dank :D
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Re: Cassie Clewentin - Unterdrückung der Gefühle

Beitrag von Katniss Granger »

Kapitel 5 - Ein Abend ohne dich
Die Nacht hat sich wie ein Schleier über das Schoss gelegt.
Ich lausche dem leisen Schnaufen der vier anderen Mädchen, die in meinem Schlafsaal liegen. Ich selber sitze vor dem Fenster, in Pyjamahose und Oberteil und starre in die Nacht hinaus. Lautlos rollt eine Träne über meine Wange.
Obwohl ich hier nicht alleine bin, fühle ich mich einsam. Wie so oft. Wie immer wieder. Ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn Jenna jetzt hier wäre. An meiner Seite sässe. Wir würden bis in die Nacht auf den ihrer Meinung nach bequemen Betten sitzen und leise tuscheln. Das Bett ist nicht bequem, nicht ohne Jenna. Ich schluchze nicht, ich habe in all den Jahren gelernt lautlos zu weinen. Die Nacht drückt ans Fenster, sie will hineinkommen und der Kerze neben mir das letzte Licht nehmen. Will mich zum Schlafen bringen. Doch mit dem Schlaf kommen die Albträume. Dort geistert sie herum - Jenna.
Ich wende ein wenig den Kopf und sehe Shiori an. Sie hat mir den ganzen Abend lang die Ohren vollgequatscht. Nicht mögen wäre vollkommen der falsche Ausdruck. Nur in dieser kurzen Zeit hasse ich sie schon. Weil sie wissen will, wer ich bin. Diese Frage stelle ich mir schon lange. Wer bin ich? Ohne Jenna bin ich nichts.
Eine weitere Träne bahnt sich den Weg über meine Wange. Die Ärzte sind alle der falschen Meinung. Ich bin nicht suizidgefährdet. Nicht mehr. Dafür hätte ich nicht die Kraft, nicht den Mut. Nicht mehr. Wenn ich Mut hätte, wäre ich dann nicht in diesem komischen Gryffindor?
Meine Haus'kameraden' scheinen die roten Löwen allesamt zu hassen. Das ist okay für mich, das tue ich wohl schon bald auch. Nur werde ich wohl nicht nur die Löwen hassen. Ich hasse alle, die von meiner Vergangenheit etwas wissen wollen. Etwas über mich.
Man sollte keine Menschen hassen. Was ich fühle ist wohl auch nicht Hass. Hassen tue ich nur eine ganz bestimmte Person, aber die Erinnerung daran ist tief in mir drinnen verschlossen. Es weiss niemand ausser mir, was in der Nacht geschehen ist, als Jenna gestorben ist. Es wird es auch nie jemand erfahren. Das lasse ich nicht zu!
Die Müdigkeit hat mich eingeholt, doch ich traue mich nicht zu schlafen. Ich will sie nicht sehen. Ich kann nicht. Lieber sitze ich die ganze Nacht hier.
Einer der Körper dreht sich auf die andere Seite und murmelt etwas. Ich kenne den Namen des Mädchens nicht. Einen Moment lang schlägt sie die Augen auf, schliesst sie aber gleich wieder und ihr Schnaufen verrät mir, dass sie schläft.
Beruhigt wende ich meinen Blick wieder aus dem Fenster. Dem See entlang läuft eine grosse Gestalt mit einer Laterne und ich erkenne den Wildhüter Hagrid. Ich schiebe die Kerze etwas vom Fensterbrett weg, um sicher zu gehen, dass Hagrid das Licht nicht bemerkt. Doch er wendet seinen Blick nicht zum Schloss, sondern nur geradeaus, zu seinem kleinen Häuschen.
Ich hätte auch gerne ein kleines, eigenes Häuschen. Dann müsste ich hier nicht mit vier anderen Idiotinnen schlafen.
Meine Augen schliessen sich, ich beginne wach zu träumen. Amerika taucht vor mir auf, meine Heimat. Jennas Grab. Meine eigene Hand legt frische Blumen auf ihr Grab.
Erneut kullert eine Träne über mein Gesicht, drei weitere folgen ihr. Mit dem Ärmel wische ich sie etwas zu energisch weg. Mein Körper zittert, ich friere, ziehe die Kerze wieder näher zu mir, selbst wenn es nichts bringt. Der flackernde Schatten der Kerze formt eine Person. Jenna.
In Windeseile puste ich die Kerze aus. Nur noch der Mond scheint durch das Fenster in den Schlafsaal. Einen kurzen Moment sitze ich wie versteinert da. Der Schmerz über ihren Tod ist noch immer in mir drin, frisch wie am ersten Tag. Doch ich bin alleine damit. Niemand versteht mich. Ich will auch nicht, dass mich jemand versteht. Ich will nur, dass es aufhört weh zu tun! Mühsam richte ich mich auf, schleppe mich zum Bett, lasse mich hineinfallen, ziehe das Laken über mich.
Mein Blick gleitet zur Decke des grünen Himmelbetts. Anstatt der Decke stelle ich mir den klaren Nachthimmel vor. Ich stelle mir vor, sie ist ein Stern. Jenna ist ein Stern. "Hilf mir", flehe ich, fast lautlos, kaum verständlich. Eine Träne tropft auf mein Kissen, die anderen wische ich weg, ehe sie auf das Kissen falle. Ich schliesse die Augen.
Genug getrauert. Es gibt nur einen Ausweg: Ich muss es schaffen, dass sie mich rauswerfen. Zurück nach Amerika. Dort werde ich zu meiner Schwester gehen. Dorthin, wo mein Platz ist. In Gedanken setze ich mich auf die feuchte Erde neben ihrem Grab.
Zurück nach Hause, ist das Letzte was ich denke, ehe ich die Augen schliesse und einschlafe. Das Letzte, bevor mich ein weiterer grauenhafter Traum überrannt.
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Katniss Granger
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Re: Cassie Clewentin - Unterdrückung der Gefühle

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Kapitel 6 - Ein Quidditchfeld, zwei neue Bekanntschaften
Das einzige Gute am Schlussjahresanfang war wohl, dass es sich um einen Samstag gehandelt hatte. Dementsprechend konnte ich am nächsten Morgen - Sonntag - ausschlafen. Um keine Aufmerksamkeit zu erregen hatte ich mir kurz vor halb Sechs Uhr wieder in mein Bett gelegt und war zu meinem eigenen Erstaunen sogar wieder eingeschlafen.
Um acht Uhr fand dann ein grossgewachsenes Mädchen mit langen violetten Haaren - wie konnte man seine Haare nur so schrecklich grell färben - dass es Zeit war, uns zu wecken.
"Aufstehen, liebe Slytherin 5. Klässlerinnen. Professor Dumbledore hat ein Morgenessen vorbereiten lassen, dass einem Festmahl gleicht, zum Einläuten des neuen Schuljahres! Es wird erwartet, dass alle Schüler sich um halb Neun in der Grossen Halle einfinden."
Kaum konnte irgendjemand etwas einwenden, war das Mädchen schon wieder weg. "Das war Ulla die Trulla", sagte Shiori und ich wusste, dass sie mit mir sprach, aber ich hatte keine Lust auf weitere Gespräche mit ihr. "Nenn sie nicht Ulla Shiori! Wenn sie das herausfindet, bist du tot." Ein Mädchen mit einer undefinierbaren braunblonden Haarfarbe und einer kleinen Zahnlücke wendet sich mir zu. "Ihr Name ist Ulleia. Ja, er ist schrecklich, aber sie liebt ihn. Ulleia ist Vertrauensschülerin von Slytherin und in der 6. Klasse. Eigentlich ist sie ganz nett und umgänglich, nur nimmt sie ihren VS-Job manchmal etwas zu ernst."
Das Mädchen sah mich weiter an, ich suchte unterdessen Kleider aus meinem Koffer hervor. "Ich bin Mackenzie, Mac genannt. Blowfood. Mac Blowfood", stellte sie sich schliesslich vor und ich war froh, wenigstens einen anständigen Nachnamen zu haben. Blowfood? Sie hätte mir fast Leid tun können. Aber eigentlich war es mir egal. "Und wer bist du?"
Ich war mir sicher, sie wusste meinen Namen, Shiori hatte sicher alle schon informiert, deshalb schwieg ich. Die zwei anderen Mädchen, die in unserem Schlafsaal waren, gingen gerade schnatternd hinaus.
"Sie spricht nicht viel, Mac. Wir haben eine Eiskönigin geschenkt bekommen", sagte Shiori zu Mac und ich sah aus dem Augenwinkel, wie sie auf ihrem Bett wie bei einem Gebet die Hände in den Himmel streckte. "Vielen Dank, lieber Eisgott!" Mac kicherte leise und ich verdrehte innerlich die Augen und wünschte diese kindische Idiotin in die Hölle.
"Ich dachte immer, dieser Malfoy sei die Eiskönigin", hakte Mac nach und Shiori grinste.
"Nein, er ist die Eisprinzessin."
"Er wird sicher aber nicht freuen, dass wir nun eine Königin haben."
"Ach, der freut sich sowieso wegen nichts. Ist halt ein kleiner Drittklässler."
Drittklässler? Ich nahm an, dass sie über den aschblonden Jungen plapperten, der mich gestern so würdevoll begrüsst hatte. Der war also ein Drittklässler. Zwei Jahrgänge unter mir. 13 Jahre alt und spielte sich auf, wie Merlin höchstpersönlich. Fazit: Ich mochte ihn nicht. Wen aus diesem Haus mochte ich nämlich? Im inneren äffte ich eine Stimme nach, an die ich mich nicht einmal erinnern konnte: In Slytherin wirst du wahre Freunde finden.
Ja, vorallem weil ich die kontaktfreudigste Person bin die ich kenne.
Innerliches Augenverdrehen. Ein Stossgebet zum Dank für die Ironie. Danach wendete ich mich ab und trat mit meinen Kleidern im Arm ins Bad. Ein paar Minuten später, als ich wieder hinauskam - mit dieser hässlichen Schuluniform - waren Gott sei Dank alle verschwunden.
Da hüpfte neben mir ein brauner Haarschopf hervor und ich wäre beinahre erschrocken. "Ich hab auf dich gewartet!" Anscheinend waren doch nicht alle verschwunden. Shiori 'hatte auf mich gewartet'. Ach die konnte mir gestohlen bleiben!
"Lass uns zum Essen gehen!"

Mithilfe des Gedrängels, dass sich vor der Grossen Halle bot, konnte ich Shiori abschütteln. Hunger hatte ich überhaupt nicht und Lust auf ein Essen mit hundert anderen Menschen erst recht nicht. Deshalb stahl ich mich aus der Menge davon, direkt auf das grosse Eichentor zu. Ich zog es auf und schlüpfte nach draussen. Dort verlangsamte ich meinen Schritt und schlenderte in der Morgensonne einem Weg entlang, von welchem ich nicht wusste, wohin er mich führen würde. Vielleicht direkt nach Amerika?
Ich schüttelte über mich selber den Kopf. Shiori's Einfältigkeit musste wohl abfärben.
Mein Magen knurrte leise, doch ich ignorierte es. Ich hatte keine Lust, umzukehren.
Der Weg endete vor einem riesigen Stadion und meine Laune besserte sich minimal. Quidditch! Wenn ich eines der vier Elemente beherrschen müsste, wäre das wohl fliegen.
Ich tapste leise durch das Tor aufs Feld und sah mich um.
Plötzlich landete links neben mir ein grinsender Junge und kaum eine Sekunde später landete zu meiner Rechten sein Spiegelbild.
"Guck mal, Fred, es gibt immer noch Leute, die sich hierher verirren", sagte der Junge zu meiner Rechten grinsend und der andere nickte.
"Eine Slytherin, wie könnte es anders sein. Du solltest oben beim Essen sein", grinste der Junge zu meiner Rechten und schon fingen sie an, mich zu langweilen. Zwillinge, die sich wohl ganz cool fanden.
"Bist du nicht die Neue?", fragte der rechte Junge und der Link redete sogleich weiter: "Da haben wir uns schon gefreut, eine Slytherin weniger in unserem Jahrgang zu haben, weil die wegzieht und jetzt kommst du."
Weggezogen? Die Glückliche! Die rote Kravatte die die Jungen trugen verrieten sie als Ravenclaw. Nein Moment, Hufflepuff? Oder doch Gryffindor? Es war Gryffindor - glaubte ich.
"Also, Grünmäntelchen, wie heisst 'n du?", fragte der Junge zu meiner Rechten.
"Wie ich heisse? Belästigt von zwei Jungen", antwortete ich nur und beide Jungen lachten.
"Na gut, Belästigt von zwei Jungen, wie bist du denn nach Hogwarts gekomme?"
"Das ist eine wirklich lustige Geschichte, die ich nur zu gern erzählen würde, aber leider ist euer Niveau zu tief, um sie zu verstehen."
"Achtung Georgie, sie hat Sarkasmus, Ironie und fiese Sprüche auf Lager", meinte der linke Junge.
"Wir sind übrigens George", sagte der rechte Junge, nachdem er zu der Aussage des Linken genickt hatte - Merlin war das hier verwirrend! - und der linke Junge beendete seinen Satz mit: "...und Fred."
"Wie schön für euch, Dumm und Nervig." Passte doch viel besser zu den beiden!
"Hah, ich bin Nervig!", sagte Fred und George spielte schmollend. "Ich will aber nervig sein", maulte George, der immer noch zu meiner Linken stand.
"Och, lass dich knuddeln!", meinte Fred und zog seinen Zwillingsbruder in seine Arme. Ein kurzer Moment der Trauer überflog mich, als ich die Zwillinge Arm in Arm sah. Jetzt nur keine Gefühle zeigen. Schliesslich wendeten die beiden Jungen sich wieder mir zu.
"Was meinst du George, redet sie mehr wenn sie unter weiblichen Wesen ist?", fragte der Junge, der in diesem Falle Fred sein musste.
"Mag sein. Komm, wir stellen sie mal unserer süssen, lieben, kleinen Schwester vor", schlug George vor und mein Herz zog sich zusammen. Schwester. Ich zuckte heftig zusammen, weil irgendetwas in meinem Kopf ganz lautSchwesterschrie, doch bis ich erkannte, dass es mein eigener Schrei war, war er bereits verschwunden.
Ich taumelte etwas rückwärts und war wohl kreidebleich geworden, denn plötzlich sahen die beiden Jungen mich ziemlich ernst und besorgt an.
"George, was hat sie?", flüsterte Fred und besagter George gab keine Antwort, sondern trat einen Schritt auf mich zu. Das löste in mir einen Selbstschutzmechanismus auf und bevor ich ihn unterdrücken konnte, hatte ich mich umgedreht und war in Höllentempo davongerannt.


Schwer atmend, weil ich bis in den Schlafsaal gerannt war, schlug ich die Tür hinter mir zu. Niemand hatte mich gesehen, niemand ausser die Zwillinge.
Ein dumpfer Schlag ertönte, als ich meinen Kopf gegen die Wand schlug. Ich trommelte mit den Fäusten gegen die Wand, schlug meinen Kopf ein zweites, ein drittes, ein viertes Mal an die Wand, ehe ich mich kraftlos an der Wand runter gleiten liess.
Als ich mit bebendem Körper an die Wand gelehnt dahockte, liess ich meinen Hinterkopf ein letztes Mal gegen die Wand knalle. Mein Kopf rebellerierte, ein Hammer schlug von innen gegen meinen Schädel. Meine rechte Hand zuckte unkontrolliert, ich drückte sie mit meiner Linken besinnungslos gegen den Boden. Ich drückte fester zu, als ich merkte und bald fing meine Hand an zu kribbeln. Erschrocken liess ich sie los.
Eine Träne lief mir die Wange hinunter. Seit meinem letzten unkontrollieren Ausbruch war es schon mindestens eineinhalb Jahre her. Eltern und Ärzte hatten gemeint, es sei ein Zeichen der Besserung und alle hatten gesagt, es würde nicht wieder vorkommen. Selbst ich hatte es gedacht.
Doch sie waren wieder da. Wegen einem einzigen, harmlosen Wort.Schwester.
In der unmittelbaren Zeit nach Jennas Tod hatte ich einmal bis zweimal täglich solche Ausbrüche. Selbstschutz - Selbstmechanismus, so nannten es die Ärzte. Ich hatte weder das eine, noch das andere Wort verstanden, deshalb hatte es mir der einzige Psychologe erklärt, den ich annährend gemocht hatte. Sein Worte hörte ich bis heute in meinem Kopf.
"Es ist deine Art mit dem Schmerz umzugehen, Cassie. So versuchst du deinen Schmerz zu lindern. Denn jedes Kind weiss schon, dass man immer den Schmerz, der am heftigsten ist spürt. Du versuchst deinem Körper so viel Schaden anzurichten, dass nicht mehr Jennas Tod, sondern deine körperlichen Schmerzen die Schlimmsten sind. Dabei verfällst du in einen geistlosen Zustand, den die Ärzte teilweise auch als psychisch gefährlich ansehen, weil sie glauben, du könntest irgendwann andere verletzen, nicht nur dich. Doch wenn du andere verletzt, linderst du nicht deinen eigenen Schmerz, deshalb bin ich mir fast ganz sicher, dass du nur dich verletzen wirst.
Das ist aber nicht der Grund, weshalb alle Angst um dich haben. Dir sind seit Jenna's Tod wortwörtlich die Sicherungen durchgebrannt - tut mir Leid, dass ich es so offen sage. Cassie, du weisst im Grund selber, warum sie Angst um dich haben. Du kannst dich bei einem diesen Anfällen selber töten, selbst wenn du gar nicht sterben möchtest!"

Seine warnende Stimme erfüllt den ganzen Raum, obwohl er nicht da ist. Suizidgefährdet obwohl ich es nicht will, dass sind seine Worte.
Ich atmete tief durch und sage meinen eigenen Namen. Das war der Tipp von Psychologe Josh Mayerton, dessen Stimme jetzt nicht mehr im Raum herumgeistert. "Es könnte dir helfen, wieder in die Wirklichkeit zu finden. Probier es einfach aus wenn es das nächste Mal passiert."
Genau das hatte ich getan und es funktionierte - bis heute. Allmählich - nach etwa tausendmaligem Sagen meines Namens - konnte ich wieder klarer denken. Ich schleppte mich zu meinem Bett und atmete tief ein und aus, um das Hämmern in meinem Kopf und das Beben meines Körpers zu beruhigen.
Purer Selbsthass durchflutete mich, als ich mich einigermassen beruhigt hatte. Die Beherrschung vor zwei fremden Menschen zu verlieren war nicht sonderlich klug. Nicht mal annährend.
Genau genommen konnte es mir aber egal sein was sie dachten, schliesslich wollte ich sowieso hier weg. Wenn sie zur Schulleitung gehen würden und mich als Gefahr für die ganze Schule darstellen würden - das wäre wohl eher förderlich für die Mission Amerika.
Doch mein Gefühl sagte mir, dass sie genau das nicht tun würden. Die Zwillinge waren meiner Einschätzung nach eher Abenteurer...
...und wo konnte man ein Abenteurer besser weiterführen als bei seinem Ursprung? Und der Ursprung ihres heutigen Abenteuers - war ich.
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