Harry Potter und die Schatten der Vergangenheit - BEENDET

Hier könnt ihr eure Fanfictions und Gedichte zu Harry und seiner Welt vorstellen.

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Muggelchen
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Harry Potter und die Schatten der Vergangenheit - BEENDET

Beitrag von Muggelchen »

Autor: Muggelchen
Beta: John Xisor
Altersbeschränkung: ab 12
Genre: Mystery / Romance
Hauptcharaktere: Harry, Severus, Hermine, Draco, Ginny, Ron –
darüber hinaus viele bekannte Gesichter und wenige OCs in Nebenrollen.
Disclaimer: Die meisten Charaktere dieser Fanfic gehören J.K. Rowling, die Handlung gehört mir.


Anmerkung:

Die FF wurde am 4. Juni 2007 begonnen, knapp zwei Monate, bevor am 21. Juli die englischsprachige Ausgabe von Band 7 erhältlich war. Im Netz wurde die Geschichte erstmalig am 23.06.07 veröffentlicht. Auf manchen Seiten von John Xisor.
Es sollte sich nicht um einen alternativen Band 7 handeln, sondern nur um ein Abenteuer mit Harry Potter und seinen Freunden.

Durch John Xisors „Harry Potter und der Orden der Macht“ kam ich zum Schreiben. Meine ersten Kapitel habe ich ihm als Fluff-Antwort geschickt. Prompt hat er sie online gestellt. Als ich davon erfuhr, gab es einen wahrnehmbaren Richtungswechsel, denn ursprünglich sollte eine Slash-FF daraus werden. Die ersten Kapitel unterscheiden sich sehr vom Rest. Nach Beendigung der Geschichte möchte ich sie überarbeiten. Eine neue Version des 1. Kapitels ist bereits online. Sollte der Anfang also zu fluffig wirken, sollte man nachsichtig darüber hinwegsehen.

In erster Linie schreibe ich aus purer Lust an der Freude, betrachte meine Texte nichtsdestoweniger selbstkritisch und achte sehr darauf, die deutsche Sprache zu pflegen, anstatt sie zu verunstalten. Natürlich können sich trotzdem Fehler einschleichen.

Die FF könnte für diejenigen etwas sein, die das gesamte HP-Universum lieben. Kaum ein Charakter wird außen vor gelassen. Wer Abwechslung mag, wird so gut wie alle Genres vorfinden.

Zur Länge: Ich hätte eine umfangreiche Trilogie daraus machen können. Genauso gut hätte ich voneinander unabhängige Geschichten schreiben können. Ein Familien- und Gefängnisdrama, eine Actionabenteuer-Romanze, eine politische Geschichte, ein Mystery-Drama etc. pp.
Es sprach nichts dagegen, alles in einer Geschichte unterzubringen und ferner all die verschiedenen Handlungen miteinander zu verflechten.

Bei unerwartet auftauchenden Charakteren handelt es sich nicht um plumpe „Wiederbelebungen“. Sie zählen zu den Mysterien, die gelöst werden wollen.

Wir beginnen beim Happy-End...


Inhaltsangabe:

Hinter den sicheren Schutzmauern der Schule, fernab von den Nachwehen des gewonnenen Krieges gegen Voldemort, wird Harry von seinem Kollegen Severus Snape mit einem schaurigen Geheimnis konfrontiert. Mit Hilfe seiner Freunde vertieft er sich in Recherche und bringt auch andere dazu, sich mit lang Vergessenem auseinanderzusetzen. Um Antworten zu bekommen, ist ihnen Strategie und Leichtsinn gleichermaßen hilfreich. Die drei Freunde stoßen bei ihrer Suche auf befremdliche Pflanzen, Bücher über längst erloschene Philosophien und auf Zaubertränke, die in ihrer Grausamkeit kaum zu überbieten sind. Je mehr Steine ihnen in den Weg gelegt werden, desto entschlossener stöbern sie in den Schatten der Vergangenheit, denn irgendwo dort, in den Ruinen aus Erinnerungen, befindet sich der Wegweiser zur Wahrheit.


Leseproben:
„Wenn Sie die Güte hätten, mir einige Fragen zu beantworten?“, fragte Severus. Nachdem Harry zugestimmt hatte, zauberte Severus sich Feder, Tintenfass und Pergament herbei und begann: „Ist Ihnen vor dem heutigen Vorfall schon einmal aufgefallen, dass Sie bestimmte Leute manchmal nicht wahrnehmen können?“
Sarkastisch entgegnete Harry: „Wie soll mir das auffallen, wenn ich sie gar nicht sehen kann?“
Severus holte einmal tief Luft, um keinen garstigen Kommentar zu entgegnen und erklärte dann: „Leute verschwinden nicht einfach, Mr. Potter. Ist es Ihnen schon passiert, dass Menschen um Sie herum plötzlich nicht mehr da waren?“
Während des Abendessens hatte Harry wie üblich neben Severus Platz genommen, denn von dieser Position aus konnte er den Tisch der Gryffindors am besten beobachten. Ginny setzte sich immer so hin, dass sie nur leicht nach rechts schauen musste, um Harry zu erblicken. Wenn sie ihn sah, dann lächelte sie breit. Harry erging es nicht anders. Auch er strahlte wie ein Honigkuchenpferd, wenn sie zum Lehrertisch aufblickte, nur um kurz darauf verlegen grinsend in seinem Essen zu stochern, bis er wieder einen Moment finden würde, erneut zu ihr hinüberzusehen. So ging es die meisten Abende.

Severus brachte es auf den Punkt, indem er beim Essen leise zu ihm sagte: „Als Lehrer mit einer Schülerin zu liebäugeln, auch wenn sie erwachsen ist, geziemt sich nicht, Harry. Machen Sie es wenigstens nicht ganz so offensichtlich, dass ständig das Gegacker der Hühner zu uns hinüberschallt!“
Mit verträumtem Blick Ginny anhimmelnd antwortete Harry nach einem sehnsüchtigen Seufzer: „Ich mag Hühner…“

Neben sich hörte Harry es plötzlich prusten. Severus hatte sich an seinem Kürbissaft verschluckt, weswegen Harry ihm leicht auf den Rücken klopfte und ihm eine Serviette reichte.

Kapitelübersicht (232/232):

001 Auf der Flucht
002 Die Dementoren
003 Der Endkampf
004 Der Phönix kehrt zurück
005 Von Kuchen und Torten
006 Was ist mit Snape?
007 Die nackte Wahrheit
008 Askaban
009 Ein Einschreibekäuzchen
010 Schlagzeilen
011 Wahrnehmungen
012 Harry
013 Der Orden des Merlin
014 Von Hunden und Stäben
015 Wolken und Fronten
016 Spiegel der Seele
017 Aus den Augen, aus dem Sinn?
018 Umfangreiche Eventualitäten
019 Familienangelegenheiten
020 Der Wolf im Fuchsbau
021 Der Fall Potter
022 Der Augenblick der Wahrheit
023 Wiesel & Frettchen
024 Aller Anfang ist schwer
025 Stolz und Vorurteil
026 Vom wilden Affen gebissen
027 Harry außer sich
028 hätte - wäre - wenn
029 Das goldene Trio
030 Hogwarts öffnet seine Tore
031 Die Zaubertränkeschülerin
032 Ruheloses Gestern
033 Ordensmitglieder
034 Nächtliche Gespräche
035 Trautes Heim
036 Küsse gab sie uns und Reben
037 Gestern-Heute-Morgen
038 Zerplatzte Träume
039 Der kleine Lord
040 Denkarium vs. Legilimentik
041 Bauern & Knechte
042 Berühmte Hexen und Zauberer
043 Märchenwelt
044 Allerleirauh
045 Alte Liebe rostet nicht
046 Attentate
047 Sternenglanz
048 Farben in der Dunkelheit
049 Wolfsbanntrank
050 Hexenturm
051 Familienbande
052 Einladungen
053 Das verwundete Selbst
054 Herzflimmern
055 Weiß wie Schnee
056 Warnungen
057 Vanille
058 Einsicht ist der erste Weg
059 Entdeckungen
060 27b-6
061 Wobbel
062 Beschwerdeabteilung?
063 Die diebische Elfe
064 Alte Gesichter
065 Die Unzertrennlichen
066 Miss Grangers Gespür für Farben
067 Mädchen weich vom Wege nicht
068 Todesser
069 Erkenntnisse
070 Der Hüter
071 Zweisam - einsam
072 Nicholas
073 Gedankenspiele
074 Blick in die Vergangenheit
075 Hänsel und Gretel
076 Gruseliges aus Askaban
077 Diarium
078 Tabula rasa
079 Traumdeutung
080 Lehrerversammlung
081 Eine kleine Aussprache
082 Mit List und Tücke
083 Die größte Angst
084 Malfoys
085 Witchfinder General
086 Steigerungszauber
087 Hermines Geburtstag
088 Annäherungen
089 Aberdeen
090 Der Feind meines Feindes
091 Pablo
092 Alle Karten auf den Tisch
093 Scharlachrot
094 Mein Schicksal in meiner Hand
095 Schwestern
096 Vergissmeinnicht
097 Zauberstäbe seit 382 v. Chr.
098 Karussell
099 Zwei Seelen, ein Gedanke
100 Ein neuer Anfang
101 Feuerrotes Haar
102 Gesellschaftsübergreifende Eheangelegenheiten
103 Blutdurst
104 Stabkerne
105 Adlerauge
106 Trick or Treat
107 Maskerade
108 Traumata des Krieges
109 Gesetze der Zaubererwelt
110 Dunkle Verführung
111 Auf kaltem Wege
112 Innenwelt
113 Der Pate
114 Der rote Faden
115 Marmorne Ruhestätten
116 DA
117 Über die Stränge
118 Interaktionen
119 Größenwahn
120 Regenbogen
121 Schützende Hände
122 Rätselhafte Gabe
123 Des Pudels Kern
124 Nerhegeb
125 Postdormitium
126 Malfoy Manor
127 Eile mit Weile
128 Flüchtige Feinde
129 Die Magie der Muggel
130 Von der großen Sehnsucht
131 Schimpf und Schande
132 Schneemann
133 Schlafes Bruder
134 Von Schein und Sein
135 Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm
136 Vita reducta
137 Eine Seele von Mensch
138 Pineapples
139 Erinnerungen
140 Sadistische Vorlieben
141 Blutstein
142 Schnippchen
143 Phantasma
144 Fletcher
145 Vorbereitungen
146 Babbelhäschen
147 Lampenfieber
148 Bund fürs Leben
149 Schutzherr und Brautstrauß
150 Heiligabend
151 Die Hoffnung stirbt zuletzt
152 Beistand
153 Anklagepunkte
154 Papier ist geduldig
155 Symbiose
156 Kammer ohne Schrecken
157 Topor
158 Der Liebenswerte
159 Wahrscheinlichkeiten
160 Der Ewige See
161 Flora und Fauna der magischen Welt
162 Sein schönstes Geschenk
163 Vergebene Liebesmüh
164 Wunsch und Wirklichkeit
165 Stein des Anstoßes
166 Rätselraten
167 Freunde
168 Dosis sola venenum facit
169 Gespenstisches
170 Prüfungen
171 Höhen und Tiefen
172 Empathie
173 Die Trumpfkarte
174 Zukunftspläne
175 Das Vermächtnis des Dunklen Lords
176 Animagi
177 Ratte und Schneeammer
178 Wege nach Rom
179 Granger Apotheke
180 Null-Achthundert
181 Lohn der Arbeit
182 Generationen
183 Die Feuerprobe
184 Durch die Blume
185 Die Schuld von einst
186 Spiel des Lebens
187 Vierhundert Milliliter
188 Enthüllungen
189 Mehr Farbe ins Leben
190 Das Beste aus zwei Welten
191 Das innere Wesen
192 Wie ein Fisch im Wasser
193 Buch der Freunde
194 Freude trinken alle Wesen
195 Vogelfrei
196 Der verrückte Professor
197 Zum Greifen nah
198 Die Jungfrau und der Steinbock
199 Fügung des Schicksals
200 Ohnmacht
201 Der alte Feind
202 Ein schwarzer Tag
203 Die Ruhe vor dem Sturm
204 Das Weiß im Auge des Feindes
205 Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
206 Eine Kunst für sich
207 Himmel voller Geigen
208 Eine Hand wäscht die andere
209 Palladion
210 Schwarzlicht
211 Was das Leben verspricht
212 Mein Name ist Harry Potter
213 Kreuz und quer
214 Punkt, Punkt, Komma, Strich
215 Der hellste Stern von allen
216 Der Tanz ist die Wiege des Kusses
217 Gegen die verlorenen Jahre
218 Nacht der Wunder
219 Ursache und Wirkung
220 Die Reise ins Morgen
221 Adieu
222 Träume und Schäume
223 Der magische Anker
224 Wo Licht ist, ist auch Schatten
225 In vino veritas
226 Boten und Botschaften
227 Wie am Schnürchen
228 Der erste September
229 Wieder auf Seite eins
230 Die lieben Verwandten
231 Mütter und Väter
232 Alle guten Dinge …
Zuletzt geändert von Muggelchen am 24.12.2012 04:08, insgesamt 246-mal geändert.
Three Characters in Search of an Exit - eine Satire mit Harry, Hermine und Severus
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Muggelchen
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Beitrag von Muggelchen »

001 Auf der Flucht




Draco erwachte fast jeden Morgen mit Tränen in den Augen. Ein Traum, an den er sich selten erinnern konnte, hatte seinen Tag wieder einmal mit einem Gefühl der Niedergeschlagenheit beginnen lassen. Er ahnte, dass er von seinen Eltern gehandelt haben musste, die er mittlerweile seit fünf Jahren nicht mehr gesehen hatte; nicht mehr, seitdem Professor Snape mit ihm von Hogwarts geflohen war.

Unzählige Verstecke, nächtliche Fluchtaktionen und ermüdende Reisen hatte sein Pate auf sich genommen, um Draco in Sicherheit zu wissen. Zuerst hasste Draco seinen Paten; dachte von ihm, er sei ein Verräter. Je länger die beiden jedoch zusammen lebten und flohen, desto besser verstand Draco ihn. Die meiste Zeit über war sein Onkel Severus, wie er ihn seit früher Kindheit nannte, sehr geduldig und ruhig. Manchmal, so dachte Draco, war Severus sogar des Lebens müde. Während dieser Phasen half Draco ihm, indem sie über alles Mögliche sprachen, sogar über Harry. Keiner von beiden nannte ihn die letzten Jahre nur Potter. Eines Abends, als Severus über Dumbledore und die Nacht – diese Nacht – sprach, hatte Draco endlich alle Zusammenhänge begriffen. Ihm war klar geworden, dass der von ihm so gehasste Schuldirektor ihn davor bewahrt hatte, zum Mörder zu werden. Dafür war Draco ihm aufrichtig dankbar, aber er fühlte sich deswegen auch schuldig.

Natürlich hatte sein Pate ihm alles Erdenkliche beigebracht, wenn sie sich in einem neuen Dorf für weitere Wochen niedergelassen hatten. Neben anderen Dingen hatte Severus dem jungen Mann bestimmte Zaubersprüche eingebläut, um sich erfolgreich gegen Todesser und deren Taktiken zur Wehr zu setzen. Willentlich ließ sich Draco von Severus auf die gute Seite ziehen.

Manchmal, genau wie Severus, fiel Draco in ein tiefes Loch, besonders wenn sie über eine bestimmte Person redeten: Dracos Vater. Dann war Severus für ihn da. Sein Pate tröstete und beruhigte ihn, bis er sich wieder besser fühlte. Draco vermisste seinen Vater. Er wünschte sich so sehr, er würde wie er selbst die Seiten wechseln. Er wollte, dass sein Vater auch einer der guten Zauberer wird, wie Severus. Ja, Draco hielt Severus für einen Zauberer der guten Seite, selbst wenn er von Hause aus äußerst grantig war. Natürlich vermisste Draco auch seine Mutter, aber die wähnte er zumindest in Sicherheit und weit außerhalb der Reichweite des Dunklen Lords.

Für einige Monate lebten sie sogar unter Muggeln. Bei ihnen war es sicherer als in der Zaubererwelt. Nicht nur, weil beide vor den rachsüchtigen Todessern fliehen mussten, sondern weil auch das Britische Ministerium für Zauberei ihre gut trainierten Auroren auf die beiden gehetzt hatte. Die Zaubererwelt war eher eine Gefahrenzone für die beiden Gesuchten als die Muggelwelt. Todesser verübten magische Bombenanschläge und Entführungen in der magischen Welt, während die Muggelwelt überwiegend verschont geblieben war, auch wenn sich die Anzahl von Entführungen und Anschlägen von „Terroristen“ leicht erhöht hatte.

Eines Tages kam Draco vom Zeitungskiosk um die Ecke wieder. Sein jugendliches Temperament ließ ihn wie ein altes Waschweib fluchen. Als er wütend die kleine Wohnung betrat, die Severus für sie besorgt hatte, wusste er nicht einmal mehr, was ihn so auf die Palme gebracht hatte. Draco machte an diesem Tag einen großen Fehler, als er aufgebracht schimpfte: „Ich hasse dieses Volk! Verdammte Schlammblüter… so weit das Auge reicht!“ Schnell wie der Blitz erhob sich Severus von seinem Stuhl, stürzte auf Draco zu und gab ihm eine gepfefferte Ohrfeige. Draco war völlig perplex. So schrecklich schmerzte die Ohrfeige gar nicht. Er war über das Verhalten von Severus so verdutzt.

Sein Pate, kochend vor Wut, rügte ihn für den Gebrauch dieses Schimpfwortes. „Weißt du überhaupt, warum wir dieses Zimmer bekommen haben? Weißt du’s? Weil die Frau uneigennützig eine Sache ausübt, die man in der nicht-magischen Welt Nächstenliebe nennt! Sie gibt uns einen Platz zum Schlafen, gibt uns zu Essen und nimmt dafür nicht einmal Geld! Sie ist ein Muggel, Draco, aber sie hilft uns! Und du maßt dir an, Muggel mit herabwürdigenden Ausdrücken zu diffamieren?!“, zischelte Severus zornig.

Seine Worte lagen Draco schwer im Magen. Er zitterte, blieb jedoch ruhig und ließ die Schelte über sich ergehen. Nachdem Severus seine Zurechtweisung beendet hatte, atmete Draco zittrig ein und aus. Severus saß wieder in seinem Stuhl und gaukelte vor, in einer Zeitung zu lesen, um Blickkontakt zu vermeiden.

In der Vergangenheit hatte Severus nur einmal einem Schüler körperliche Gewalt angetan. Das war an dem Tag, als Severus mit ihm geflohen war. Er hatte Harry geohrfeigt. Niemals hatte er seinen Lieblingsschüler Draco geschlagen. Sein Pate war innerlich noch immer aufgewühlt und ignorierte Dracos mittlerweile feucht gewordene Augen. Er hörte seinen Patensohn schniefend flüstern: „Weißt du noch, wie ich dich als Kind genannt habe?“ Draco wartete, aber es kam keine Reaktion. So fuhr er unbeirrt fort: „Ich habe dich immer meinen Zottelbär genannt!“

Severus musste aufgrund dieser Erinnerung gequält lächeln. Dracos Kindheit war nicht leicht gewesen. Während Lucius seinen Sohn von Beginn an recht kühl erzogen hatte, hatte Narzissa dafür gesorgt, dass ihr Sohn seinem Alter entsprechend behandelt wurde. Sie war es, die ihm immer wieder Kinderbücher vorgelesen hatte, während Lucius alles daran gesetzt hatte, dass sein Nachkomme sich ein arrogant höfliches Benehmen aneignen würde und sehr früh hatte er ihm den Klassenunterschied der magischen Gesellschaft näher gebracht. Eines der Bücher, die Narzissa ihm immer und immer wieder vorgelesen hatte, handelte von den Abenteuern eines großen, schwarzen Bären. Beim Betrachten der Illustration musste der kleine Draco immer wieder an seinen Patenonkel denken. Bald war die kindliche Assoziation geschaffen und ein vierjähriger Draco nannte seinen Patenonkel fröhlich „Zottelbär“. Eines Tages kam Lucius diese liebevolle Bezeichnung zu Ohren. Severus wurde Zeuge dessen, wie Lucius seinem Jungen auf verspielte Art beibrachte, dass dieser in seinem Alter nicht mehr Worte wie „Zottelbär“ gebrauchen sollte. „Blutsverräter“ und „Schlammblüter“ waren die Worte, die Lucius dem Jungen eingehämmert hatte.

Während eine Träne an seinen Wangen hinunterlief, sagte Draco leise: „Das war zu der gleichen Zeit, als Vater mir dieses Wort beigebracht hat… Ich war erst vier Jahre alt, Severus! Er hat mir gezeigt, wie man sie benutzt, um Menschen wehzutun... und…“ Aufgrund der Erinnerungen an seine Kindheit und ein einst sorgloses Leben begann Draco bitterlich zu schluchzen. Severus holte tief Luft, bevor er zu Draco hinüberblickte und seine Arme weit öffnete. Überdankbar rannte Draco in die tröstende Umarmung und sagte wimmernd und schuldbewusst: „Es tut mir Leid! Es tut mir Leid! Ich hab’s nicht so gemeint! Es ist eine blöde Angewohnheit… Ich werd’s mir abgewöhnen. Versprochen!“
Seinen Paten wiegend sagte Severus beruhigend: „Shht, Draco… Ist ja alles gut… Entschuldige die Ohrfeige. Ich verspreche, dass ich dir nie wieder wehtun werde! Nun ist’s gut… Hör’ auf zu weinen… Shhht…” Nach einer Weile hatte sich Draco beruhigt.

Severus hielt immer Augen und Ohren offen. Er belauschte seine Nachbarschaft und hörte eines Tages zwei Squibs miteinander reden. Sie erzählten von mysteriösen Briefen, die sie bekommen hätten. Diese Briefe beinhalteten Warnungen über bevorstehende Todesser-Angriffe.

Einen Tag, bevor sich diese Warnungen als wahr erwiesen, war Severus mit Draco bereits zurück in die magische Welt geflohen. Sie nahmen sich ein Mietzimmer in einem Dorf. Tag für Tag mopste Draco eine Ausgabe des Tagespropheten aus öffentlichen Papierkörben. Severus hatte Dracos Aussehen für die Ausflüge nach draußen mit einem leichten Verhüllungszauber belegt, so dass er nicht mehr zu erkennen war. Am Abend lasen sie regelmäßig die Zeitungen, die Draco gesammelt, teilweise auch gestohlen hatte, was er seinem Patenonkel nie erzählte. Auf fast jeder Seite stand natürlich sein Name: Harry Potter. Draco seufzte. Nun, nach all den Jahren, bezeichnete Draco Harry nicht mehr als seinen Erzfeind. Harry war ohne Frage der Retter beider Welten. Nur Harry wäre in der Lage, den Dunklen Lord zu töten; das war Draco klar geworden.

Severus hasste es, nicht mehr umfangreich über die Aktivitäten beider Seiten informiert zu sein. Früher fühlte er sich wesentlich sicherer, als er noch wusste, welche Pläne der Dunkle Lord schmiedete und welche Gegenschläge der Phönixorden plante. Er war schon lange nicht mehr in irgendwelche Pläne involviert. Zudem vermisste er sehr die Unterhaltungen mit Albus, seinem Mentor und väterlichem Ideal. Sogar den angebotenen Süßigkeiten hing er wehmütig nach, auch wenn er sie meist abgelehnt hatte. Er vermisste das lebendige Zwinkern in den Augen des Direktors, wenn der wieder einmal versuchte, ihn dazu zu überreden, Frieden mit Harry zu schließen.

Wenn seine Gedanken nicht mit persönlichen Emotionen verklärt wurden, wie damals bei dem Zwischenfall mit Sirius Black, dann konnte Severus seinen klaren, messerscharfen Verstand erfolgreich einsetzen und durchaus zum richtigen Schluss kommen. Im Zusammenfügen von Fakten war er ungeschlagen. Er sammelte sämtliche Informationen über Todesser-Anschläge. Mit all den Fakten und mit dem, was Severus zwischen den Zeilen der Artikel im Tagespropheten lesen konnte, wurde ihm schnell klar, dass die Zeit gekommen war. Die finale Schlacht stand kurz bevor und Severus war sich sicher zu wissen, wo sie stattfinden würde. Hogwarts! Severus musste dort hin! Er würde sein Wort halten und Harry im letzten Kampf zur Seite stehen. Das hatte er Albus versprochen und zwar wenige Monate vor dessen Tod, an dem Severus selbst die Schuld trug.

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Jason Trayboy
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Beitrag von Jason Trayboy »

Wow coll! Schreib weiter
Ich bin stärker als du denkst! Hufflepuff an die Macht!

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Muggelchen
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Beitrag von Muggelchen »

Hi Jason,
ich habe ja schon ein wenig vorgeschrieben :D
Halt mich auf dem Laufenden, was nicht oder was gut gefällt.
LG, Eve


002 Die Dementoren




Gerade rechtzeitig vor Beginn des Kampfes erreichten Draco und Severus das auserwählte Schlachtfeld. In sicherem Abstand erspähte Severus jede Menge Auroren und mutige Zauberer, die sich vor der Schule postiert hatten. Severus glaubte, in der schmalen Person zwischen den anderen Harry zu erkennen. Zusammen mit Draco versteckte er sich auf einem Hügel im Schutze eines Felsens, der klobig aus der Wiese heraus ragte. Ungesehen konnten sie so beide Seiten beobachten.

Die Todesser warteten hinter dem Hügel, außer Sichtweite der Auroren. Sie lauschten den letzten Anweisungen Voldemorts, bevor sie zum ersten Schlag ausholen würden. Vier Todesser instruierten nach Voldemorts Rede die unzähligen Männer und Frauen, die durch ihre schwarzen Roben geschlechtslos schienen und wie Puppen wirkten, denen man das gleiche angezogen hatte. Sie schienen nicht sofort angreifen zu wollen, denn einige setzten sich auf den Boden, um ihre Kräfte zu sammeln oder einfach nur, um auf ihren nächsten Befehl zu warten.

Mit einem Male wurde es entsetzlich kalt, so dass man den eigenen Atem sehen konnte. Der erste Plan des Feindes bestand daraus, die Dementoren als Vorboten des Krieges nach Hogwarts zu senden. Sie sollten zu Beginn des Kampfes die meisten Gegner dahinraffen, bevor die Todesser auch nur ein Finger krümmen mussten. Draco und Severus betrachteten die dunklen Kreaturen, die unheilvoll über ihnen schwebten. Der Tau auf umliegenden Blumen und Gräsern gefror aufgrund des Frostes, der die finsteren Geschöpfe umgab. Über die Jahre hinweg hatte Severus ihm den Patronuszauber beigebracht. So war Draco der Erste, der selbstsicher seinen Zauberstab auf die Dementoren richtete und schrie: „Expecto Patronum!“ Seinem Zauberstab entsprang ein heller, silberner Schweif, der sich alsbald zu einem riesigen Bären formte – drei Mal größer als ein Schwarzbär.

Vor Hogwarts hatten Harry und sein Gefolge sich hinter fast durchsichtigen, magischen Schutzwänden aufgehalten, die gegen die ersten Attacken Deckung bieten sollten. Sie warteten auf den Angriff der Todesser. Trotz der Anspannung, die in der Luft lag, wagten die Vögel wie üblich, dem Sonnenlicht fröhlich entgegenzuzwitschern, als wäre es ein normaler Tag. In der Ferne machte Harry die ersten Dementoren aus. Gleichzeitig bemerkte er den bärengleichen Patronus, der so gewaltig war, dass niemand diesen beeindruckenden Zauber übersehen konnte. Die silbernen Strahlen eines zweiten Patronus formten sich bereits über dem entfernten Hügel. Er kniff die Augen zusammen und suchte angestrengt den Hügel ab, aber er konnte niemanden ausmachen. Harry fragte sich, wer sich dort hinten wohl aufhalten würde. Wer wehrte die Dementoren ab, noch bevor sie sich Hogwarts nähern konnten? Er hatte eine vage Vermutung, aber die wollte er bestätigt wissen.

„Moody, komm her!“, rief Harry wie einen Befehl. Der Herbeigerufene lauschte aufmerksam, als Harry fragte: „Kannst du jemanden da auf dem Hügel sehen? Vielleicht 150 Meter von hier… Der Patronus kam aus der Richtung!“
Mit seinem hellblauen, magischen Auge folgte Moody Harrys Zeigefinger. Nach einigen Augenblicken sagte er mit grantiger Stimme: „Ja, da hinten… Sieht aus wie dieser Malfoy… und… Ist nicht wahr oder? Sollte das etwa Snape sein? Der ist überfällig!“
Mit festem Griff hielt Harry den Auror am Arm fest und sagte: „Niemand wird den beiden etwas tun, verstanden!“

Der Patronus von Severus hatte sich nun komplett manifestiert und sich in die Lüfte erhoben. Severus’ gigantischer Vogel, der eine sehr große Ähnlichkeit mit dem Phönix Fawkes aufwies, leistete Dracos stattlichem Bären Gesellschaft. Er wehrte die Dementoren ab, die sich auf Draco und ihn stürzen wollten. Angst stand Draco ins Gesicht geschrieben, aber nichtsdestotrotz feuerte er seinen Patronus an. Severus blickte stolz gen Himmel, als er seinen silbernen Schutzherrn dabei beobachtete, wie der die Dementoren mit der riesigen Spannweite seiner Flügel in die Flucht schlug. Beide Patronuszauber zusammen waren fast genauso stark wie Harrys Hirsch. Als genau jener Hirsch aus Richtung Hogwarts durch die Luft preschte, zogen die Dementoren sich vollends zurück. In sicherer Entfernung erkannte Draco seinen Ex-Erzfeind und er wusste, dass Harry ihn auch erkannt haben musste.

Harry war nicht unterbelichtet, wie es ihm früher viele Leute, besonders seine Verwandten, ständig einreden wollten. Er wusste, dass Malfoy und Snape dort hinten standen und für das Gute kämpften. Er bestaunte den silbernen Fawkes, der mit Leichtigkeit die Dementoren mit seinen Schwingen vom Himmel fegte. Der Vogel brachte Erinnerungen in ihm hoch. Mit einem Male klangen ihm Dumbledores Worte im Ohr. Sein Schuldirektor hatte Snape immer vertraut; immer wieder beteuert, dass er seine Gründe hätte, Snape sein vollstes Vertrauen zu schenken und zwar ohne Ausnahme. Aus einem Gefühl heraus wusste Harry, dass er ihm auch trauen sollte. Und er tat es! Es war der Schutzzauber von Snape, der ihm das Gefühl vermittelte, in den beiden Verbündete sehen zu dürfen. Für einen Patronus dieses Ausmaßes benötigte man starke, sehr glückliche Erinnerungen. Harry hatte Dumbledores Phoenix in Snapes Patronus wiedererkannt. Er schlussfolgerte daraus, dass Snape an einer glücklichen Erinnerung mit Albus festhielt, um diesen gigantischen Phönix erschaffen zu können. Snape und Malfoy hatten die meisten Dementoren erfolgreich abgewehrt und somit Voldemorts ersten Plan vereitelt.

„Gut gemacht!“, sagte Harry leise und triumphierend zu sich selbst. Nachdem Harry seinen Patronus auf die Dementoren gehetzt hatte, formte sich ein Lächeln auf seinen Lippen. Aus dem Bauch heraus befahl er seinen Anhängern und Mitkämpfern, dass sie Snape und Draco Malfoy kein Haar krümmen sollten. Natürlich ging ein Raunen durch die Menge, aber sie gehorchten. Der Sieg lag allein in Harrys Händen. Niemand würde es wagen, eine Entscheidung von ihm anzuzweifeln.

Harry bemerkte, dass Snape und Draco sich von links dem Schloss näherten. Nach einem Moment wurde ihm bewusst, warum das so war. Todesser tauchten auf, die nun den Schutz ihres Hügels verlassen hatten und frontal auf Harry und seine Mitstreiter zustürmten. Es waren viel mehr Todesser, als man im Vorfeld befürchtet hatte. Viel mehr, als Moody durch den Hügel hindurch hatte erspähen können. Die Schlacht begann…

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Hermine@Tonks
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Beitrag von Hermine@Tonks »

Hallöchen!
Ich habe zwar bisher nur das erste Kapitel gelesen (beim allzu langen Starren auf dem Bildschirm tun mir die Augen weh), aber auch das finde ich schon sehr gelungen. Einige Fragen habe ich allerdings. Mit der Flucht vor fünf Jahren ist doch die im 6. Band gemeint, oder? Und in der Zeit hatte Draco keinen Kontakt zu seinen Vater? Aber Lord Voldemort lebt noch und die Geschehnisse des 7. Bandes sind nicht mit einbezogen?
Eigentlich ist es ja egal, denn mir gefällt alleine schon dein Schreibstil. Und Draco, der mich an ein kleines quengeliges Kind erinnert. Ich werde bestimmt auch noch das 2. und die folgenden Kapitel lesen.

lg
[img]http://www.fotos-hochladen.net/emmawatsont6knus1m.png[/img]

[b][size=75]Sig by Vera & Ava by Vanase. Vielen Dank dafür. [/size][/b]♥

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Beitrag von Muggelchen »

Hi Hermine,
"Ja" zu all deinen Fragen: Es ist die Flucht im 6. Band gemeint. Kontakt hatte Draco zu seinen Eltern danach nicht mehr und was sein Vater unter Voldemort (ja, der lebt noch) so ertragen musste, wird später noch geschildert. Band 7 gab es noch nicht, wo ich die ersten 25 Kapitel geschrieben hatte.
Fragen, die die Geschichte aufwerfen mag, werden bestimmt nicht lange unbeantwortet bleiben. Die ersten 10 Kapitel sind wirklich eine Art Einleitung, die die Grundlage für die FF darstellt. :D
Vielen Dank für das Lob an den Schreibstil, da freue ich mich sehr drüber.
LG, Eve

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Jason Trayboy
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Beitrag von Jason Trayboy »

Ich find das 1.Kapitle um längen besser. Nicht bös gemeint aber trotzdem gut geschreiben. Wow und 150 Kapitel.
Ich bin stärker als du denkst! Hufflepuff an die Macht!

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Muggelchen
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Beitrag von Muggelchen »

Hi Jason,
fertig ist die FF ja noch nicht, aber ich schätze, die 150 Kapitel werden nicht ausreichen...
Kein Problem, wenn du das erste Kapitel besser gefunden hast. Du hast ja noch einiges vor dir. :smile: Im Nachhinein denke ich, hätte ich die ersten 10 Kapitel auch in einem zusammenfassen können.
LG, Eve


003 Der Endkampf




Hinter dem Felsen warteten Draco und Severus, bis die Todesser auf Hogwarts zustürmten. Sie verließen den Hügel erst, nachdem sie sicher waren, nicht mehr sofort von ihnen gesehen zu werden. So rannten die beiden nun ungefähr fünfzig Meter seitlich hinter den Todessern hinterher. Wie erhofft schenkten die schwarzen Gestalten den beiden zunächst keine Beachtung, denn sie waren auf die Auroren fixiert, die bereits damit begonnen hatten, ihre Flüche gegen die vermummten Gegner zu schleudern.

Von Severus hatte Draco etliche Zaubersprüche gelernt, die einen Gegner unschädlich machen würden. Der blonde, junge Mann visierte die hinterherhinkenden Todesser nacheinander an und begann damit, Voldemorts stürmende Armee von hinten zu reduzieren, so dass die anderen den Verlust nicht gleich bemerken würden. Er schwang seinen Zauberstab zielsicher wie eine Fliegenklatsche, und trotz der großen Entfernung fiel ein Todesser nach dem anderen bewegungslos zu Boden. Sie waren unfähig, sich zu rühren, unfähig zu kämpfen und es war unmöglich, von ihren Alliierten mit einem Gegenzauber erlöst zu werden. Nur sein eigener Stab konnte die Flüche wieder aufheben. So verlor Voldemort bereits viele seiner Todesser allein an Draco und Severus. Die überwältigten Feinde lagen friedlich und absolut harmlos auf dem Gras im Schein der Mittagssonne und warteten auf das Ende des Krieges.

In seinem Leben hatte Draco noch nie jemanden getötet und das sollte sich, wenn es nach ihm ginge, heute auch nicht ändern. Severus lief direkt vor seinem Patensohn und schoss seitlich immer wieder Flüche auf die Todesser. Die hatten endlich bemerkt, woher die gezielten Angriffe kamen. Vier von ihnen lösten sich vom Rest, der weiter nach Hogwarts stürmte. Sie näherten sich Draco und Severus. Einer der Todesser schoss wortlos einen Avada Kedavra auf Draco, aber er sprang rechtzeitig zur Seite und der grüne Lichtblitz verfehlte ihn knapp. Als der gleiche Todesser mit beängstigender Geschwindigkeit auf den Blonden zugestürmt kam, traf Draco den Feind direkt auf der Brust. Die Gestalt mit der weißen Maske und der schwarzen Robe gefror abrupt und fiel durch den vorherigen Sprint mit hohem Tempo vornüber. Der Kopf des Todessers landete auf einem Stein und im gleichen Moment war ein lautes, knackendes Geräusch zu vernehmen, welches Draco das Blut ihn den Adern gefrieren ließ. Angsterfüllt dachte Draco plötzlich an seinen Vater und er flehte, dass es nicht er sein sollte, der dort verletzt auf dem Boden lag. Dass Severus die anderen drei Todesser überwältigt hatte und wieder zum Schloss rannte, hatte Draco vor lauter Entsetzen nicht bemerkt.

Mit heftig zitternder Atmung starrte Draco auf den leblos wirkenden Körper vor sich. Seine Gedanken drehten sich nur noch um eines. Die Angst, seinen Vater verloren zu haben, ließ seinen Körper beben. Nur kurz entwich ihm ein herzzerreißendes Flehen: „Vater!“ Er hastete auf den Verletzten zu und erstarrte vor Angst. Ein weiterer Todesser betrachtete seelenruhig die Szenerie. Auf der Stelle richtete Draco seinen Stab auf den observierenden Feind, der sich noch immer nicht rührte. Die Arme des Betrachters hingen schlaff an dessen Seiten herab; der Zauberstab zwischen den behandschuhten Fingern verweilte in einer lockeren Position, die keinen plötzlichen Angriff zulassen würde. Skeptisch und weiterhin seinen Zauberstab auf ihn richtend beäugte Draco den Todesser, während er sich dem am Boden liegenden Verletzten näherte. Ohne es bemerkt zu haben, befand sich Draco nur noch am Rande der Schlacht, die sich derweil direkt vor dem Schloss abspielte.

Von allen anderen ungeachtet verweilte der in schwarz gekleideten Feind ruhig auf seinem Fleck und blieb unbeeindruckt von dem entfernten Getose der Schlacht, den Schreien, den Hilferufen, dem Zischen und Grollen der Flüche. Aus einem unerklärlichen Grund verhexte Draco den friedfertig wirkenden Todesser nicht, aber er blieb vor ihm auf der Hut, als er sich dem Verletzten näherte und sich letztendlich neben ihn kniete. Augen und Zauberstab hatte er die ganze Zeit über auf den anderen Todesser gerichtet. Tastend schälte er dem Regungslosen einige Teile der gebrochenen Maske vom Gesicht als wären sie abgeplatzte Stücken einer Porzellanpuppe. Für nur eine Sekunde blickte Draco nach unten und erkannte sofort das blutverschmierte Gesicht und die leblosen Augen seiner Tante. Mit der freien Hand fühlte er nach einem Puls, aber er spürte keinen.

Es verschaffte ihm nur wenig Erleichterung zu wissen, durch diesen Unfall nicht seinen Vater, jedoch seine Tante getötet zu haben. Langsam erhob er sich wieder, den Feind unablässig mit den Augen fixierend. Draco schluckte hörbar, bevor er unsicher fragte: „Vater?“ Der Todesser erhob wie in Zeitlupe seine freie Hand und zog die Kapuze vom Kopf. Schon beim Anblick der langen, blonden Haare musste Draco seinen Tränen unterdrücken. Der Zauberstab in seiner Hand bebte vor lauter Anspannung, wie damals, als er Professor Dumbledore auf dem Astronomieturm gegenüberstand. Langsam entfernte der Todesser die Maske vom Gesicht und ließ sie zu Boden fallen. Das müde und ausgezehrt wirkende Gesicht seines Vaters kam zum Vorschein, und obwohl er ihm bereits näher kam, verhexte Draco ihn nicht.

Bald standen sie sich gegenüber. Lucius lächelte arrogant, aber seine Augen zeugten von tiefer Traurigkeit, als er seinen Sohn betrachtete und feststellte, wie sehr dieser gewachsen war, wie sehr er zum Mann geworden war. Betrübt darüber, seinen Jungen so lange Zeit nicht gesehen zu haben, schloss er für einen Moment die Augen und atmete zur Beruhigung tief durch. Draco beobachtete ihn weiterhin mit gezücktem Zauberstab. Als Lucius die Augen wieder öffnete, hob er schwächlich die Hand und reichte Draco den eigenen Zauberstab mit den flüsternden Worten: „Nimm ihn, mein Sohn!“ Draco riss seinem Vater panisch den Zauberstab aus den Händen. Ohne ihn ging nur noch wenig Gefahr von Lucius aus. Sein Vater sagte daraufhin gelassen und resignierend: „Nun denn… verhex mich!“
„Vater, ich…“, Draco bekam keine Chance, seinen Satz zu beenden.
Sein Vater forderte von ihm: „Verhex mich!“ Als sein Sohn sich nicht rührte, erklärte Lucius mit Nachdruck: „Draco, ich bin des Kämpfens müde! Ich habe es satt, einem wahnsinnigen, selbst ernannten Lord zu folgen, dessen einziges Bestreben bestenfalls noch darin besteht, seinen eigenen Tod zu vermeiden! Mit seiner Angst vor dem Ableben hat er seine einst so erstrebenswerten Ziele aufgegeben und sterben lassen. Er befreit mich und all die anderen vor einem Jahr aus Askaban, damit wir zusehen dürfen, wie er sich am heutigen Tage abermals an seiner Obsession versucht, die er vor über zwanzig Jahren schon in der Gestalt eines Kleinkindes nicht töten konnte. Ich jedoch habe keine Angst vorm Sterben, Draco. Jetzt nicht mehr, wo ich weiß, dass du am Leben und wohlauf bist. Und nun, Draco… mach mich unschädlich und verhex mich! Askaban wird für mich keine neue Erfahrung sein.“

Severus hatte kehrt gemacht, weil Draco ihm nicht mehr gefolgt war. Er bemerkte Lucius bei ihm und hörte dessen Worte. Sofort erkannte Lucius seinen einstigen Verbündeten, der sich langsam genähert hatte, und sagte mit einem ehrlichen Lächeln auf den Lippen: „Ich hatte es gehofft… So warst du es also, der sich meines Sohnes angenommen hat.“ Snape nickte bejahend. Nachdem Lucius zitternd ausgeatmet hatte, erwiderte er: „Ich bin wirklich froh, dass du es warst, Severus! Nun weiß ich, dass er in dieser Welt eine Chance hat.“ Draco musste daraufhin lächeln, während ihm ungewollt eine Träne über die Wangen lief, die er nicht mehr aufhalten konnte. Nachdem Lucius seinen Sohn ein drittes Mal aufgefordert hatte, verhexte dieser ihn und machte Lucius zu einem der vielen Todesser, die überwältigt am Boden liegend die Schlacht abwarteten, um am Ende nach Askaban geschickt zu werden. Draco verweilte an der Seite seines Vaters und war froh, dass er nicht im Kampf gefallen war.

Während der Flucht mit Severus war es ihm nicht möglich gewesen, Kontakt mit seinen Eltern zu pflegen. Sein Vater stand nach dem Tod von Dumbledore weiterhin in den Diensten des Dunklen Lords, auch wenn er wegen des Vorfalls im Ministerium einige Jahre in Askaban hatte verbüßen müssen. Voldemort hatte ihn und andere Todesser erneut befreite, damit sie ihm während der finalen Schlacht zur Seite stehen würden. Severus hatte Draco erklärt, dass der Dunkle Lord ihm damals den Mord an Dumbledore aufgetragen hatte, weil er wusste, dass er dazu nicht in der Lage sein würde, den Auftrag zu Voldemorts Zufriedenheit auszuführen. Dracos einkalkuliertes Versagen und etwaiger Tod sollte die Strafe für die verpatzte Aktion im Ministerium sein, wegen der Lucius die uneingeschränkte Gunst des Dunklen Lords bereits verspielt hatte. Aber nicht einmal der Dunkle Lord wusste von dem unbrechbaren Schwur, den Severus geleistet hatte. In dem Moment, als Severus seinen Schwur eingehalten und an Dracos Stelle den Auftrag ausgeführt hatte, hatte er dem Dunklen Lord einen Strich durch die Rechnung gemacht. Weder Severus noch Draco waren seit dem Moment vor Voldemort sicher, weswegen beide fliehen mussten. Narzissa war vorzeitig untergetaucht und Draco vermutete, dass seine Mutter, schlau wie sie war, sich an einem Ort versteckt halten würde, der nicht einmal vom Dunklen Lord ausfindig gemacht werden konnte.

„Bleib hier, Draco. Es wird bald vorbei sein!“, sagte Severus, bevor er sich von ihm entfernte. Nebenher bemerkte Draco, dass die Anzahl der Todesser stark abgenommen hatte. Einige Anhänger wandten sich vom Dunklen Lord ab und flohen feige in alle Richtungen, aber nur wenige entkamen. Sein Patenonkel rannte derweil direkt auf Harry zu.

Neben seinem bewegungslosen Vater kniend wurde Draco am Ende der Schlacht Zeuge von der Niederlage des Dunklen Lords. Aus der Ferne konnte er Voldemort ausmachen, der sich Harry mit übermütigem Gehabe näherte. Selbstverständlich war es Harry, der Voldemorts Leben endgültig auslöschte, aber er hatte zwei helfende Hände, ohne die es ihm auch das eigene Leben hätte kosten können.

Einer der Männer an Harrys Seite war sein Pate, der Voldemort unter Dauerbeschuss hielt und ihn somit unfähig machte zu handeln. Der andere war ein alter Mann mit einem langen, silberfarbenen Bart. Draco blinzelte und fragte sich, ob das möglich sein konnte oder ob seine Sinne ihm einen Streich spielten. Der langbärtige Zauberer bombardierte Voldemort mit seinen Zaubersprüchen und verhinderte, dass dieser sich von Snapes zermürbenden Attacken erholen konnte. Im Sekundentakt wurde Voldemort von den Flüchen der beiden Männer getroffen, die ihm so sehr zusetzten, dass er nicht mal mehr einen Arm heben konnte. Dann trat Harry vor, richtete seinen Zauberstab auf Voldemort und beendete dessen Leben für immer.

Es benötigte am Ende zwei mächtige Zauberer, um Voldemorts Kräfte zu drosseln und den von Voldemort selbst gezeichneten Jungen, um ihn zu besiegen.

Voldemort war tot.

Alles wurde ruhig…

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Muggelchen
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Beitrag von Muggelchen »

004 Der Phönix kehrt zurück




Wie die Blüten der Boretsch, die vereinzelt auf der Wiese vor Hogwarts spross, so Lichtblau schien der Himmel, als wolle er den Gleichklang des nach langer Zeit errungenen Friedens widerspiegeln. Beschwingter als zuvor sangen die Vögel ihre Melodien, die bis an die Ohren der Sieger drangen und sie mit sich und ihrer Welt in Einklang brachten.

Mit Erleichterung starrte Harry auf den toten Körper vor sich. Voldemorts Magie war nun vollends vergangen, nachdem sie unaufhaltsam aus dem Körper des dunklen Zauberers hinausgeströmt war. Die dunkelmagische Zauberkraft war dahin und hinterließ den leblosen Körper eines gutaussehenden Mannes mittleren Alters, der frei von schlangenartigen Zügen im Tode wieder einem Menschen glich. Der Anblick von Tom Riddles sterblichen Überresten nahm ihm einen Stein vom Herzen. Der Moment gleich nach dessen Tod ließ Harrys Narbe wohlig kribbeln, als würde sich etwas aus ihr lösen; als würde die Verbindung zu Voldemort sich endgültig verflüchtigen. Mit einem Male fühlte er sich frei, überglücklich… euphorisch. Er schloss die Augen und atmete ruhig, um den Moment für sich festzuhalten. Zufriedenheit hatte seinen Geist eingenommen und machte ihn frei von Kummer, Furcht und Hass.

So ausgeglichen hatte er sich noch nie gefühlt. Es schien ihm, als hätte sich seine Gefühlswelt mit einem Male eingependelt, was für Harry ein überwältigendes Erlebnis darstellte. Und als er mit geschlossenen Augen so dastand und voller Hingabe den Liedern von Goldammer und Feldlerche lauschte, hörte er plötzlich einen anderen, viel schöneren und fröhlicheren Gesang. Harry öffnete die Lider und schaute gen Himmel. Dort kreisend erblickten seinen Augen einen Vogel mit scharlachrotem Gefieder. Es war der Phoenix, den er das allererste Mal in Dumbledores Büro hatte bewundern dürfen. Fawkes landete graziös auf den Schultern eines älteren Mannes. Als Harrys Augen sich von dem prachtvollen Vogel lösen konnten, blickte er einem lächelnden Professor Dumbledore direkt ins Gesicht. Das lebendige Zwinkern in dessen Augen ließ Harry vor Freude lachen und weinen. Der Phönix erhob sich wieder von Dumbledores Schultern und flog zu den hohen Türmen des Schlosses hinauf an den Ort, den er wieder sein Zuhause nennen wollte.

Rechts von Harry stand ein ausgemergelter Snape. Seit über fünf Jahren hatte Harry ihn nicht mehr gesehen. Seinen eigenen Augen nicht trauend starrte der Zaubertränkemeister den totgeglaubten Direktor an. Mit Erleichterung hörte Harry etwas, von dem er nie gedacht hätte, es je vermisst zu haben. Eine dunkle Stimme knurrte den älteren Mann an. Ein für Snape völlig untypisches Beben in dessen Worten ließ ahnen, wie tief bewegt er war. Mit rauer Stimme und von Schluchzern unterbrochen schrie Snape: „Sei verdammt, du alter Narr! Du verdammter… verflucht seist du… du verflixter, alter Mann…“

Für Harry war es einfach unglaublich mitzuerleben, wie sein ehemaliger Lehrer, dessen steinerne Miene niemals irgendwelche Regungen auch nur erahnen ließ, momentan von einer solch starken Gefühlswallung ergriffen war, dass er seine Beherrschung verlor. Nur schwer konnte Harry sich vorstellen, wie es sein musste, einem Mann gegenüberzustehen, den man ermordet zu haben glaubte. Harry wusste in diesem Moment, dass Snape damals dazu gezwungen gewesen sein musste, das Leben des Schulleiters zu beenden, auch wenn er dies nicht gewollt hatte. Snapes Gefühlsausbruch verdeutlichte ihm, dass dieser froh war, Dumbledore wohlauf zu wissen. Doch fünf Jahre lang hatte Snape mit dieser schweren Schuld leben müssen, weswegen er jetzt gleichzeitig erzürnt darüber war, nur eine Marionette in Dumbledores Plänen gewesen zu sein. Es siegte am Ende jedoch die Erleichterung darüber, den Schulleiter wieder lebendig zu sehen, denn unmerklich bekam Snape feuchte Augen, während er Dumbledore weiterhin, aber nur noch halbherzig, zornige Beleidigungen an den Kopf warf, die kaum noch verständlich waren. Dumbledore ertrug Snapes Worte gelassen und lächelte sanft wie eh und je.

Seit über zwei Jahrzehnten hatte Severus nicht mehr geweint, weswegen ihn seine aufkommenden Tränen stutzig machten, fast schon schockierten. Gefühlsausbrüche dieser Art waren ihm völlig fremd und er hätte niemals gedacht, dass er dazu überhaupt noch in der Lage wäre. Mit feuchten Wangen murmelte er aufgeregt und bebend vor sich her. Er war nicht mehr fähig, einen verständlichen Satz hervorzubringen, weil er sich innerlich zerrissen glaubte. Er war verwirrt, wütend und ergriffen zugleich.

Lächelnd blickte Dumbledore Snape an, bevor er ihn vertraut zu sich heranwinkte. Begierig umfasste Snape den alten Mann und hielt ihn fest, als wolle er ihn nie wieder verlieren. Zwischen Dumbledores langem, silbernen Bart und dem üppig wallenden, lilafarbenen Umhang vergrub Snape sein Gesicht und versuchte, die eigenen Schluchzer zu unterdrücken, die ihm selbst so fremd waren.

Der Anblick des immer so griesgrämigen und furchteinflößenden Mitglieds des Phönixordens, nun verletzlich und zerbrechlich, der liebevoll von dem wiederauferstandenen Dumbledore gedrückt wurde, berührte Harry zutiefst. Er ging auf die Männer zu und umarmte beide gleichermaßen. Snape löste gedankenverloren einen Arm und schlang ihn um Harrys Schultern, um ihn fest an sich und Dumbledore zu drücken. Dass Snape jemals einem anderen als Dumbledore solch eine vertraute Geste entgegenbringen würde, überraschte ihn, aber er nahm die bedeutungsvolle Geste dankend an und erwiderte die Umarmung, indem er seinen Arm um Snapes schlanke Taille legte. Heute war das erlaubt – heute war Voldemort gefallen.

Aufgrund von Dumbledores gemurmelten Worten bemerkte Harry, dass der ehemalige Direktor beruhigend auf Snape einredete und ihm Trost spendete. Er nannte den Zaubertränkemeister „mein lieber Junger“, während er dessen nicht fettiges, aber schmutziges und in den Jahren viel länger gewachsenes, schwarzes Haar streichelte. Harry hörte, wie Snape flüsternd zu Dumbledore sagte, wie sehr er ihn vermisst hatte.

Dass sich eine Traube neugieriger Auroren und Mitstreiter um die drei sich umarmenden Männer versammelt hatte, hatte keiner von ihnen bemerkt. All die mutigen Zauberer, die an Harrys Seite gekämpft hatten, blickten verdutzt drein. Jeder betrachtete sie ungläubig. Einige weinten ungehemmt, andere lachten erleichtert. Wenige wandten sich von dem friedvollen Anblick der drei Männer ab und klatschten ausgelassen; stießen Jubelschreie aus. Der Anblick von Dumbledore, Snape und Potter führte jedermann vor Augen, dass Snape kein Verräter war. Er hatte den Direktor niemals ermordet, obwohl er all die Jahre offensichtlich genau das gedachte hatte.

Eine der weiblichen Auroren fand Draco still und bewegungslos neben Lucius Malfoy. Ihr Begleiter nahm den teilnahmslosen jungen Mann auf den Arm. In der gleichen Stunde, in welcher die Welt von Voldemort befreit worden war, wurde Draco im St. Mungos aufgenommen.

Die ersten Stunden nach dem Sieg stellten für Harry die totale Reizüberflutung dar. Ihm wurde gratuliert, auf den Rücken geklopft und man stellte ihm Fragen. So richtig konnte er jedoch keinen klaren Gedanken fassen. Nebenbei hatte er erfahren, dass sich Draco kurzzeitig im St. Mungos befunden hatte, sich jetzt aber wieder in Hogwarts aufhalten würde, weil man ihm im Hospital ans Leben wollte. Harry lief bei dem Gedanken eine Gänsehaut über den Rücken.

Es war Dumbledore, der seine Getreuen damit beauftragt hatte, Draco wieder nach Hogwarts zu holen. Ja, Dumbledore war tatsächlich am Leben. Er hatte sein Ableben ohne einen einzigen Mitwisser geplant, um Voldemort in falscher Sicherheit zu wiegen. Der Dunkle Lord hatte von Potters psychischer Zerstreutheit nach dem Ableben des Direktors gewusst und daher geglaubt, jetzt ein leichtes Spiel zu haben. Dumbledores plötzliches Auftauchen auf dem Schlachtfeld reicherte Harrys Herz mit unerschütterlicher Ruhe, Glück und Stärke an. Das Wissen darüber, niemals von seinem ehemaligen Zaubertränkelehrer verraten oder betrogen worden zu sein, erfüllte ihn zudem mit einem sehr starken Gefühl, welches er nicht als Liebe zu bezeichnen wagte, aber es kam nahe ran.

Das Hin und Her auf dem Gelände von Hogwarts war Harry mittlerweile zu viel geworden. Er fühlte sich, als hätte er ein außerkörperliches Erlebnis; als wäre er nicht wirklich hier. Dumbledore hatte dafür gesorgt, dass jeder heute in Hogwarts den Sieg über Voldemort feiern durfte oder sich in einem der vielen Betten zur Ruhe legen konnte. Harry war hin und her gerissen, schlafen zu gehen oder mit seinen Freunden und Anhängern zu feiern. Schüler hatte das Schloss seit Jahren nicht mehr gesehen, denn Hogwarts war verwaist, seitdem die meisten von ihnen wegen ihrer übervorsichtigen Eltern ferngeblieben waren. Professor McGonagall hatte sich seit Dumbledores Tod um Hogwarts gekümmert und überließ es liebend gern ihrem Vorgänger, wie in alten Zeiten den Direktor zu mimen.

Seit dem Abschluss hatte Harry seine alte Schule nicht mehr besucht. Als er nach all den Jahren wieder die Eingangshalle betrat, fühlte er sich wie Zuhause. Alles schien jetzt perfekt zu sein. Trotz seiner Müdigkeit entschloss er sich dazu, den Festivitäten in der großen Halle beizuwohnen. Er wollte unbedingt Dumbledore sehen. Er wollte es sich jedoch nicht eingestehen, dass er genauso erpicht darauf war, mit Snape ein freundliches Wort zu wechseln. Er würde so gern mit ihm reden. Es gab so viel zu klären. Er hatte viele Fragen an ihn.

Harry hatte kaum die große Halle betreten, da blockierte Dumbledore ihm die Sicht in den Saal. Der alte Zauberer ergriff sanft seinen Arm und führte ihn wieder vor die Tür. Fröhlich sagte Dumbledore zu dem verdutzten Harry: „Harry, ich muss dringend mit dir reden, bevor du da rein gehst! Ich bin sicher, du kannst dich noch an die Zeit erinnern, als Sirius starb! Er…“
Mit Tränen in den Augen unterbrach Harry den alten Mann und sagte: „Professor bitte, JETZT will ich wirklich nicht über Sirius reden!“

Innerlich ärgerte Harry sich, nicht doch zu Bett gegangen zu sein. Trotz des Glücks und der Zufriedenheit, die er verspürte, fühlte er sich etwas ausgelaugt. Dumbledore ließ jedoch nicht locker und sagte unbeschwert: „Harry, es ist sehr wichtig, dass du mir zuhörst!“ Der ältere Mann lächelte aufmunternd. Harry schluckte und nickte resignierend. Professor Dumbledore fuhr fröhlich fort: “Gut Harry! Du weißt, dass Voldemort deine Liebe für Sirius dazu missbraucht hat, dich in das Ministerium zu locken…” Harry nickte erneut. Sein Magen drehte sich bei dem Gedanken, Sirius durch seine eigene Dummheit verloren zu haben. Dumbledore packte Harry stärkend an der Schulter, bevor er erklärte: „Das ist der Grund, warum ich Sirius gezwungen habe, einem kurzfristig von mir entworfenen Plan zuzustimmen.“ Entgeistert blickte Harry Dumbledore an; die Augen ganz weit aufgerissen. Er konnte sich nicht erklären, warum Dumbledore noch immer lächelte, wo er selbst allein bei der Erwähnung von Sirius ungehemmt in Tränen ausbrechen wollte. Immer wieder fragte sich Harry, von welchem Plan Dumbledore sprach.

Mit ruhiger Stimme erklärte der alte Mann: „Harry, ich hatte dafür gesorgt, dass Sirius hinter dem Schleier leben konnte, durch den er gefallen war. Ich konnte doch nicht zulassen, dass die einzige Person, die du so sehr liebst, den Tod finden sollte. Auch konnte ich nicht zulassen, dass der einzige Mensch, der dir so viel bedeutet, für den Rest des Krieges Voldemorts vorrangiges Ziel sein sollte.“ Harry blinzelte ungläubig, aber davon unbeirrt erklärte Dumbledore: „Es war mir nicht möglich, eine weitere Person in diesen Plan zu involvieren, Harry. Es wäre ein zu großes Risiko gewesen, Remus oder dich darüber zu informieren…“
Harry wiederholte angespannt und verwirrt: „Informieren?“
Dumbledore packte ihn auch mit der anderen Hand an der Schulter und sagte mit warmer Stimme: „Ja Harry, dich darüber zu informieren, dass es Sirius gut geht! Er lebt, Harry! Und er erwartete dich dort drinnen!“ Dumbledore zeigte auf den Eingang zur großen Halle.

Ohne Worte zu verlieren stürmte Harry durch die Türen. Drinnen schien jeder den Atem anzuhalten, nachdem er die große Halle betreten hatte. Seine Augen huschten über die Menge und ruhten dann auf ihm: Sirius! Und er strahlte vor Freude. Überwältigt von seinen eigenen Gefühlen beobachtete Harry die Tränen, die über Sirius’ rosige Wangen liefen. Die beiden fielen sich in die Arme und drückten sich vor Freude. Sie vergaßen alle anderen um sich herum, die sich einen Applaus nicht nehmen lassen wollten. Sirius lachte fröhlich und wiederholte immer wieder den Namen seines Patensohnes.

Sie waren alle hier: Dumbledore, Sirius, Hermine, Ron, Tonks, Remus, Mad-Eye, die Zwillinge, Ginny und all die anderen Zauberer und ehemaligen Mitschüler, die an seiner Seite gekämpft hatten. Keiner von Harrys engeren Freunden hatte den Tod gefunden. Trotzdem tat es weh zu hören, dass Blaise Zabini und Pansy Parkinson vor wenigen Tagen gestorben waren, nachdem sie sich gegen ihre Eltern gewandt hatten. Immerhin waren auch sie seine ehemaligen Schulkameraden gewesen, wenn er sie auch nicht gut gekannt hatte. Neville und Luna wurden nach dem Kampf ins St. Mungos gebracht, aber glücklicherweise waren sie nicht allzu schwer verletzt.

Den ganzen Abend über blieb Harry an der Seite von Sirius und er ließ nicht von dessen Hand ab. Keinesfalls wollte Harry ihn in diesem Getümmel verlieren. Lediglich Remus war es erlaubt, seinen alten Freund ebenso in Beschlag zu nehmen. Snape oder Draco hatte Harry nicht ausfindig machen können und so nutzte er die Zeit, um sich mit Sirius zusammen auszumalen, wie es sein würde, miteinander zu leben. Harry hatte erst vor wenigen Wochen ein großes Haus erworben, welches jedoch dem Erdboden gleichgemacht worden war, was er dem erschrockenen Sirius erzählte.

Nach einigen Stunden, die Harry essend, feiernd und auf die Helden des heutigen Tages anstoßend verbrachte, war er so müde und kraftlos, dass er schlafen musste, auch wenn er jetzt gar nicht mehr zu Bett gehen wollte, weswegen er sich von all seinen Freunden verabschiedete. Harry ließ Sirius erst wieder los, als der versprach, sich gleich morgen zum Frühstück mit ihm hier in der großen Halle zu treffen. Sie würden sich nicht ein Zimmer teilen, weil sie sich die ganze Nacht mit Sicherheit nur wach halten würden, doch Harry brauchte dringend Erholung. Man sah ihm an, dass es ihn Einiges an Kraft gekostet hatte, einen Zauberer wie Voldemort vernichtet zu haben.

Die meisten Gäste blieben über Nacht in Hogwarts, denn genügend Betten waren ja frei. Harry freute sich bereits auf sein altes Himmelbett im Gryffindor-Turm, aber bevor er die große Halle verlassen konnte, fing Dumbledore ihn ab. Er wünschte eine gute Nacht und fügte eher beiläufig hinzu: „Ich frage mich, ob Professor Snape und Mr. Malfoy Gefallen an etwas Kuchen finden würden. Es ist äußerst schade, dass sich beide im Krankenhausflügel aufhalten.“

Harry musste grinsen. Er verstand Dumbledores Hinweis und arrangierte einen Teller mit verschiedenen Sorten Kuchen, die er zum Krankenflügel bringen wollte. Dem auferstandenen Dumbledore würde er heute jeden Wunsch erfüllen. Er würde darüber hinaus eine kurze Gelegenheit finden, mit Snape zu sprechen. Gedanken darüber, was er sagen sollte, machte er sich keine. Damit würde er sich befassen, wenn er Snape ins Gesicht sehen würde.

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~Ginny Weasley~
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Beitrag von ~Ginny Weasley~ »

Ich finde deine FF bisher echt gut, ein bisschen anders vielleicht als andere, aber ich bin echt gespannt, wie es sich entwickelt.
Nur ich verstehe nicht ganz, warum Dumbledore noch/wieder lebt. Snape hat ihn doch im 6. Band mit dem Avada Kedavra getroffen, also müsste er doch eigentlich tot sein.
Und noch was: Du hast sowas geschrieben, dass Draco aus dem St. Mungo geholt wurde und sich stattdessen in Hogwarts erholen sollte. Das verstehe ich nicht ganz, warum konnte er nicht einfach da bleiben? Und danach hast du (glaube ich) noch erwähnt, dass Neville und Luna sich im St. Mungo aufhalten.
Warum können die zwei da bleiben und Draco nicht?

Aber sonst gefällts mir wirklich gut, deinen Schreibstil mag ich auch und es wird auch nicht langweilig beim Lesen.
Weiter so! =)
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