Die Kindheit des Remus Lupin

Hier könnt ihr eure Fanfictions und Gedichte zu Harry und seiner Welt vorstellen.

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Zerafina
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Re: Die Kindheit des Remus Lupin

Beitrag von Zerafina »

Mondhelle Nacht

In der Ferne schrie eine Eule. Eine kleine Gestalt saß in der Ecke, die Arme um die Knie geschlungen und zitterte. Es sollte das erste Mal sein, dass Remus sich verwandelte.
Es war eine kalte und wolkenlose Nacht, die Sterne funkelten hell am Nachthimmel. Remus sah hinaus, er stellte sich vor, dass die Sterne kleine Engel waren die ihm spielerisch mit ihren Taschenlampen ins Gesicht scheinen. Es gab nur eine einzige Wolke, die sich am Mond verhangen zu haben schien. Er fühlte sich traurig und allein, nur die Engel im Himmel spendeten ihm ein wenig Trost. Wie sehr wünschte er, dass seine Eltern jetzt bei ihm wären. Doch es ging nicht. Er wusste, dass er eine Gefahr für sie war, dass er sich in wenigen Augenblicken in ein Monster verwandeln würde. Nur die einzelne Wolke verzögerte sein unausweichliches Schicksal. Remus hoffte, dass sich die Wolke nie wegbewegen würde, dass sie sich für immer krampfhaft an den Mond klammern würde, dass sie ihm vor dem beschützt, was er am meisten fürchtete. Doch auch sie ließ ihm in Stich, wanderte langsam und unaufhaltsam Richtung Osten und gab dem Blick auf den Mond frei. Es war als ob dieser Remus Blick magisch anzog. Der Junge blickte wie in Trance in den schwarzen Himmel, seine Pupillen weiteten sich.

Ihm durchfuhr ein unsaglicher Schmerz, er krümmte sich zusammen. Er versuchte sich zu wehren, doch vergeblich. Er spürte den Schmerz, fühlte wie dieser langsam vom Kopf her seinen Weg immer weiter nach unten suchte. Er hielt es nicht mehr aus. Er rannte in blinder Verzweiflung los. Doch er kam nicht weit, denn nach wenigen Schritten prallte er gegen einen Baum und fiel zu Boden. Er rammte seine Finger in die kalte Erde, versuchte sich somit von dem Schmerz abzulenken. Er grub seine Hand immer mehr hinein, spürte das sich diese langsam veränderte. Die Finger wurden immer länger und verwandelten sich langsam in lange Krallen. Er versuchte es zu stoppen indem er sie soweit wie möglich in den Boden rammte, doch nichts konnte dies verhindern. Er war seinem Schicksal schutzlos ausgeliefert. Ein Stich durchfuhr seine Brust, er hob den Kopf gen Himmel und gab ein tiefes Grollen von sich. Er öffnete seine Augen. Es sah alles scharf, so scharf wie man es nie mit Menschenaugen sehen könnte, er konnte jedes einzelne Blatt des Baumes über ihn erkennen. Seine Sinne waren bis auf Höchste geschärft, doch dafür hatte sein Verstand ihn verlassen. Er fühlte nichts mehr, keine Trauer, keinen Schmerz. Er sprang auf die Füße und rannte los.

Die Vögel zwitscherten und warme Sonnenstrahlen fielen auf sein Gesicht. Remus öffnete langsam die Augen und blinzelte. Er wusste nicht wo er war oder wie er hierher gelangte. Er setze sich langsam auf und schaute sich um. Er war in einem Wald, von der alten Hütte war weit und breit nichts zu sehen. Wie war er hier nur hingekommen? Der Junge versuchte aufzustehen, setzte einen Fuß behutsam auf den Boden und verlagerte langsam sein Gewicht. Doch das Bein wollte ihn nicht tragen und somit sackte er wieder zu Boden. Er schaute an sich herunter. An seinem Bein war eine Wunde. Wie war sie dorthin gekommen? Er dachte nach und dann viel ihm aufeinmal alles wieder ein. Er hatte sich gestern verwandelt und. "Remus." Er erschrak.

"Remus hier bist du. Wir haben dich schon die ganze Zeit gesucht.", es war sein Vater, der im schnellen Schritt zu ihm kam. "Ist alles in Ordnung?", er hockte sich neben seinen Sohn. "Dein Bein.". "Es ist schon in Ordnung.", sagte Remus schnell "Nur eine kleine Wunde. Sag Mama bitte nichts davon." Doch zu spät sie kam schon zu den Beiden gerannt und schrie schon aus der Entfernung "Oh nein was ist passiert."
"Nichts, es ist alles okay. Es ist nicht so schlimm.", versuchte er seine Mutter zu beruhigen. "Komm wir gehen ersteinmal wieder zurück zur Hütte.", Lyall Lupin nahm seinen Sohn hoch und trug in durch den Wald. Seine Freunde, seine ehemaligen Freunde, hätten es kindisch gefunden, doch Remus protestierte nicht, er war froh das seine Eltern bei ihm waren.
Am nächsten Tag war Remus wieder zu Hause. Doch nichts war wie Früher. Gestern Nacht war etwas Schreckliches geschehen. Er hatte bis jetzt noch mit Niemanden darüber gesprochen und hatte es auch nicht vor.

Seine Eltern machten sich Sorgen. Ihr Sohn war die ganze Zeit allein, wandte sich von seinen Freunden ab und war nicht mehr der Selbe. Selbst ihnen verschloss er sich. Meist saß Remus mit einem Buch draußen im Wald. Oft auf seinem Lieblingsbaum. Er mochte diesen Platz immer noch, auch wenn ihn besonders an diesem Ort die Erinnerungen an damals einholten.
Er war gerade in seinem Lieblingsbuch vertieft, als jemand auf ihn zu kam. Es war ein Mädchen mit langem schwarzem Haar. „Remus, was machst du denn hier so alleine? Wo warst du gestern?“ Doch der Junge wandte sich von ihr ab und las weiter. Er wollte nicht mit ihr reden, er wollte mit niemanden mehr reden. „Remus? Ree-eemus?“, Inola sprang auf den Baum und nahm ihm das Buch weg. „Ich habe dich etwas gefragt.“, sie schenkte ihm ein Lächeln. „Ich war krank.“ „Dafür siehst du aber mittlerweile schon recht gesund aus.“, scherzte sie. Doch Remus lachte nicht wie üblich, sondern saß stumm da und blickte mit steinerner Miene in den Himmel.

Das alles war jetzt schon zwei Jahre her. Seit dem hatte sich nicht viel verändert. Er vermied immer noch den Kontakt zu seinen alten Freunden, war meist allein und verabscheute sich selbst. Seine Eltern sagten immer wieder, dass er nichts dafür kann und immer noch der selbe Junge war. Sie versuchten alles um sein Leben so normal wie möglich zu gestalten. Sie setzten alles in Bewegung um ihren Sohn zu helfen, irgendeinen Weg zu finden damit es wirklich wieder so war wie Früher.
Doch an Remus ging das alles vorbei, er hatte die Hoffnung schon aufgegeben, wusste, dass er nie wieder so werden würde wie Früher. Doch der Brief den er letzte Woche bekam änderte alles. Er durfte nach Hogwarts, er durfte wirklich nach Hogwarts. Eigentlich sollte das ihn glücklich stimmen, doch das tat es nicht. Er wollte schon immer auf diese Schule, doch jetzt, da er die Chance hatte, war er sich nicht mehr so sicher. Es war etwas ganz anderes als nur tagsüber in die Schule zu gehen, Hogwarts war ein Internat, dort bleib man auch über Nacht. Remus fragte sich warum ausgerechnet er einen Brief bekommen hat. Der Schulleiter konnte doch nicht verantworten, dass ein Werwolf auf dem Schulgelände ist.

Wie sollte er sich entscheiden? Sollte er es wirklich wagen, sollte er wirklich auf diese Schule gehen? Er rung mit sich, kam zu keiner Antwort, er war sich einfach nicht sicher. Einerseits wollte er nach Hogwarts, wollte alles über das Zaubern lernen, doch anderseits wusste er, dass er nicht konnte, es war einfach zu gefährlich, zu gefährlich für ihn und besonders für die Anderen.
Zuletzt geändert von Zerafina am 10.02.2014 23:53, insgesamt 1-mal geändert.

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BellatrixLestrange18
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Re: Die Kindheit des Remus Lupin

Beitrag von BellatrixLestrange18 »

Die Geschichte ist echt WOW!!!!!!!!! Schreib bitte bald weiter ;-)
Nicht der, der nie Hinfällt sondern der, der immer wieder aufsteht ist der Stärkere...

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Zerafina
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Re: Die Kindheit des Remus Lupin

Beitrag von Zerafina »

Hei,

ich habe die Geschichte nach langer Zeit fortgesetzt bzw. überarbeitet. Ich wollte euch daran teilhaben lassen und wünsche viel Spaß beim Lesen. Konstruktive Kritik ist gern gesehen.
Die Geschichte startet ab hier also von Neuem. Ich wollte nicht extra einen neuen Thread dafür eröffnen und poste den Neuanfang hier. Die vorherigen Kapitel können getrost überlesen werden. Natürlich kann man auch diese lesen um z.B. einen Vergleich zu ziehen oder zu sehen wie sich die Story verändert/weiterentwickelt hat.

Beste Grüße
Zerafina



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Remus John Lupin

Genre: Fantasy, Drama

Altersempfehlung: 12 Jahre

Kurzbeschreibung: Er war ein ganz normaler Junge; glücklich, lebensfroh. Er hätte ein schönes Leben haben können, doch es waren nur Augenblicke nötig um dieses drastisch zu verändern. Auf einmal fühlte er sich fremd im eigenen Körper; schämte, hasste sich. Die Freude über die Aufnahme an der Hogwartsschule für Hexerei und Zauberei wich schnell der Angst, Angst davor Andere zu verletzten, Angst davor sie zu töten...

Hauptcharakter: Remus John Lupin


Disclaimer: Das Harry-Potter-Universum mit all seinen Charakteren, Magischen Wesen und Orten gehört J.K. Rowling. Ich verdiene mit dieser Geschichte kein Geld.

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I


Kapitel 1 | Das Schreckgespenst von Cardiff


16. April 1958

Lyall Lupin, ein schüchterner und intelligenter Mann, der vor kurzem sein dreißigstes Lebensjahr erreicht hatte, galt als Experte für nichtmenschliche, geisterhafte Erscheinungen. Bereits während seiner Schulzeit an der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei konnte er Bestnoten in Verteidigung gegen die dunklen Künste und Zaubersprüche vorweisen.

So kam es, dass er in der Anfangsphase des Ersten Zaubererkrieges einen Posten in der Abteilung zur Führung und Aufsicht magischer Geschöpfe im Zaubereiministerium angeboten bekam. Auch hier stellte er sein Wissen und sein Talent unter Beweis, er wurde dafür bekannt, dass er den berühmt berüchtigten Irrwicht, den sogenannten Kobold von Strathully, gefangen hatte. Doch er brüstete sich nicht mit dem, vermeintlichen, Ruhm, sondern sah seine Tat als Pflicht und Teil seiner Arbeit an.

Der besagte Irrwicht hatte den Muggeln in den umliegenden Dörfern schon tagelang Angst und Schrecken eingejagt. In der Tageszeitung wurde er als schattenartiges Monster beschrieben, der mit seinen weiß glühenden Augen jedes Opfer zur Salzsäule erstarren ließ. Mit jedem Tag wurde dieses Monster immer größer und gefährlicher und war bei den Muggeln in aller Munde. So kam es auch, dass die Abteilung zur Führung und Aufsicht magischer Geschöpfe darauf aufmerksam geworden war und Lyall den Auftrag zur Eliminierung dessen bekommen hatte. Später wurde, groß ausgeschmückt, erzählt, wie er diesen, scheinbar ohne Probleme, in eine winzige (sie wurde mit der Zeit immer kleiner) Streichholzschachtel verfrachtete.

Sein nächster Auftrag führte ihn in die Wälder von Wales. An dem besagten Ort machten Berichte, ähnlich denen in Strathully, über einen besonders ungestümen Irrwicht, die Runde.


◊◊◊


Am gleichen Tag unternahm Hope Howell, eine wunderschöne Muggelfrau, einen Spaziergang durch einen, vermeintlich, sicheren Wald. Sie arbeitete in einem kleinen Versicherungsbüro irgendwo in Cardiff und nutzte den herannahenden Abend um sich, nach acht Stunden des Sitzens, die Füße zu vertreten.
Je tiefer sie in den Wald ging, umso dichter und dunkler wurde dieser. Der aufkommende Wind blies durch die Baumkronen und ließ die Blätter der Buchen rascheln. Ein Meeresrauschen gleich, begleiteter dieser Ton sie immer weiter in das Dickicht. Hope spürte den weichen Boden unter ihren Füßen. Das Profil ihrer Schuhe hinterließ einen feinen Abdruck auf der Erde. Sie atmete tief ein und nahm den Geruch des Frühlings auf. Der Duft von den Bäumen, dem Gras und den frisch erblühten Blumen lag ihr in der Nase.
Mit jedem Schritt wurde das Blätterdach über ihrem Kopf dichter. Ein Buntspecht hämmerte mit seinem schwarzen Schnabel an die Rinde eines Baumes. Das monotone Hämmern vermischte sich mit dem Rascheln der Blätter.
Sie wusste weder wie lang sie schon auf diesem Weg ging, noch wie viel Uhr es war. Schlagartig wurde es dunkel. Sie konnte kaum das Ende des Weges sehen. Langsam beschlich sie ein ungutes Gefühl. Sie hatte das Gefühl beobachtet zu werden.
Hope versuchte sich leise Mut zuzureden und begann, kaum merklich, zu singen. Sie hatte nie wirklich Angst im Dunkeln gehabt. Sie fühlte einen Blick in ihrem Nacken, der ihr eine Gänsehaut bescherte. Ihre Schritte wurden größer, das Herz schneller. Etwas raschelte.
Hope erhöhte das Tempo und sagte sich immer wieder, dass sie sich alles nur einbildete, dass sich niemand im Gebüsch versteckte und auf der Lauer lag. Trotzdem drehte sie sich alle fünf Meter panisch um.
Die Gewissheit, dass der Weg sie bald aus dem Wald führte, beruhigte sie etwas. Das Ziel fest im Blick, blieb sie abrupt stehen. Zwischen den Stämmen zweier Buchen versteckt, sah sie etwas. Eine dunkle Gestalt - groß, bedrohlich – stand regungslos im Schatten der Bäume.
Hope unterdrückte den Impuls davonzurennen. Sie wusste weder was, noch wer dieses Etwas war und wollte es nicht riskieren zu viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Vielleicht war sie bis jetzt unentdeckt geblieben und könnte problemlos ihren Weg fortsetzen. Der Versuch sich einzureden, dass es sich bei dem fremden Etwas um ein kleines, harmloses Tier handeln könnte, scheiterte just in dem Moment, als sich die Gestalt auf sie zubewegte und an Größe gewann.

Erst konnte Hope nicht erkennen was es war, es sah lediglich aus wie ein großer Schatten, es schien gestaltlos zu sein. Doch plötzlich verformte es sich zu einem festen Körper. Plötzlich sah sie in das Gesicht eines Mannes, ein Gesicht so düster und angsteinflößend, wie sie es noch nie gesehen hatte. Die schwarzen Augen schimmerten voller Hass, der Mund war zu einer Grimasse verzogen. Er hatte schulterlanges krauses Haar, das ihm in einzelnen Strähnen an der Adlernase hing.
Ein leises Knurren war zu hören, ein Krollen tief aus seiner Brust. Im nächsten Augenblick bewegte sich der riesige Mann auf Hope zu. Er rannte, sprang regelrecht, die Arme weit nach vorn getreckt.
Hope war wie versteinert, ihre Beine schienen schwerer als Blei zu sein, sie konnte sich nicht bewegen. In ihrer Verzweiflung warf sie ihre Hände schützend vor das Gesicht. Sie schrie, hoffte, dass der Mann dadurch eingeschüchtert wurde, Angst hatte, dass jemand sie hören könnte.


◊◊◊


Lyall Lupin ging, auf der Suche nach dem Irrwicht, durch die Wälder von Wales. Er war schon den ganzen Tag unterwegs, ohne auch nur ein Lebenszeichen dieses ‚Schreckengespenstes‘ zu sehen. Er hatte schon fast die Hoffnung auf Erfolg aufgegeben und wollte gerade in sein Hotelzimmer zurückgehen, als er einen Schrei hörte. Es war eine Frau, die scheinbar ihres Lebens fürchtete und aus vollem Halse um Hilfe schrie. Seinen Auftrag beiseite schiebend, rannte er los.

Nur wenige Augenblicke später fand er sich inmitten einer fürchterlichen Szene wieder. Ein, in Lumpen gekleideter, Mann war gerade dabei sich auf eine hilflose Frau zu stürzen. Ein Mann der nie unüberlegt handelte, versuchte Lyall die Szene zu analysieren und seine Möglichkeiten abzuschätzen. Er stutzte. Kurz bevor der Angreifer sein Ziel erreichte, erkannte Lyall, dass es sich bei diesem nicht um einen normalen Muggel handeln konnte. Etwas an der Art wie er sich fortbewegte schien so unmuggelhaft.

Geistesgegenwärtig nahm Lyall seinen Zauberstab aus der Tasche und kreuzte den Weg des Irrwichts. Mit einem kurzen Wedeln seines Stabes, brachte er den Angreifer zum Halt. Das lange krause Haar verschwand vom Kopf des Mannes. Die große Adlernase veränderte ihre Form. Lyall hatte den Irrwicht in einen Pilz verwandelt. Einen einfachen Steinpilz, wie er zu Hauf im Wald zu finden war. Bevor er sich um die verängstigte Frau kümmerte, nahm Lyall eine kleine Schachtel zur Hand und schloss den Pilz-Irrwicht darin ein. Sein Auftrag war erfüllt.


◊◊◊


Hope wusste nicht wie ihr geschah. Die Hände vor die Augen gedrückt, hatte sie nicht gesehen was passiert war. Sie wusste nur eins, der Angreifer, das Ungeheuer war verschwunden. Sie blinzelte verwirrt.
Keine drei Meter von ihr entfernt stand ein junger Mann, der in diesem Moment eine kleine Schachtel in eine braune Umhängetasche steckte. Sein braunes Haar war von einem sonderbaren Hut halb verdeckt. Der schlanke Körper steckte in einem langen Mantel. Das musste ihr Retter sein, der Mann der das Ungeheuer verscheucht hatte.

»Keine Angst es ist alles gut, es war nur ein Irrwicht«, sagte der Retter an sie gewandt.

Hope verstand diese Worte nicht, sie ergaben keinen Sinn. Ein Irrwicht? Was um alles in der Welt meinte er damit? Doch in diesem Moment war es ihr egal, sie fühlte nichts weiter als Erleichterung und Dankbarkeit. Vielleicht hatte sie sich nur verhört.
Ihr Retter kam langsam auf sie zu und zupfte seinen grünen Mantel zurecht. Die Farbes eines Haares spiegelte sich in seinen Augen wieder.


◊◊◊


Lyall ging langsam auf sie zu. Er hatte keinerlei Aufregung oder Angst verspürt als er dem Irrwicht gegenüber stand, doch jetzt stockte ihm der Atem. Die Frau vor ihm hatte langes hellbraunes Haar, welches in leichten Wellen über ihre schmalen Schultern fiel und grüne Augen, die perfekt zu ihrem hellen Teint harmonierten. Doch was sein Herz schneller schlagen ließ war ihr offenes und freundliches Lächeln. Selbst nach dieser, vermeintlich, lebensbedrohlichen Situation konnte sie scheinbar ihre charmante Art nicht verstecken. Er hatte nie an Liebe auf den ersten Blick geglaubt, doch nun, da er sie erlebte, schien alles möglich zu sein.


◊◊◊


Trotz, dass Hope ihr Ende schon vor ihr sah, fühlte sie in diesem Augenblick keinerlei Angst mehr. Ihr war nichts geschehen, sie war in Sicherheit. Der Fremde, dessen Lippen gerade eine Begrüßungsformel formten, verscheuchte all die Angst und Unsicherheit. Obgleich sie ihn nicht kannte, fühlte sie sich bei ihm sicher. Gänzlich ohne Argwohn.

»Hallo. Ich heiße Lyall Lupin«, Lyall lächelte sie zögernd an, »ich hoffe Ihnen ist nichts geschehen«, er blickte nervös von einer Seite zur anderen.
»Ja danke, es geht mir gut«, sagte Hope mit einem Lächeln auf dem Lippen.
»Ich bin Hope Howell«, sie reichte ihm die Hand. Zog diese aber kurze Zeit später wieder zurück, als ihr Gegenüber keinerlei Regung zeigte die Begrüßungsgeste zu erwidern.
»Danke, dass Sie mich gerettet haben«, Hope lächelte, »ich hatte so sehr gehofft, dass mich jemand hört und bin Ihnen daher zur Dankbarkeit verpflichtet «, mit diesen Worten versuchte sie die unangenehme Situation zu Überspielen.

»Sie brauchen sich nicht zu bedanken, das war selbstverständlich«, Lyall kratzte sich verlegen am Hinterkopf. Er fühlte sich wie ein Teenager, unfähig einen klaren Gedanken zu fassen, unfähig einen geraden Satz herauszubringen. Ganz so wie vor fünfzehn Jahren, als er sich das erste Mal verliebt hatte. Damals hatte er das Herz seiner Auserwählten nicht erobern können. Dies lag wohl hauptsächlich daran, dass er sie kein einziges Mal angesprochen hatte. Die Angst vor ihrer Reaktion war zu groß gewesen. Zu seinem Glück, stellten sich seine Gefühle nur als eine Schwärmerei heraus, die nicht länger als ein paar Wochen hielt.
Hope sah seine Unsicherheit und ergriff das Wort.
»Würde es Ihnen etwas ausmachen mich noch bis nach Hause zu begleiten?«, sie lächelte, »Ich wohne nicht weit von hier«, schob sie ein, nachdem sie seinen erschrocken Blick sah.
»Ich würde nicht fragen, wenn ich mit Gewissheit wüsste, dass der Fremde nicht noch hinter irgendeiner Ecke lauert«, Hope sah ihn fragend an und wartete geduldig auf seine Antwort.

Im ersten Moment überrumpelt von ihrer Frage, gab Lyall ihr schließlich mit einem Nicken zu verstehen, dass er sie gern begleiten würde.

Sie waren erst ein paar Schritte gegangen als Hope, fast beiläufig, fragte was ein Irrwicht sei. Lyall stotterte in seiner Verlegenheit etwas zusammen wie: ‚In dieser Situation ist mir kein besseres Schimpfwort für diesen Kerl eingefallen‘. Hope verfiel in ein schallendes Lachen. In diesem Moment wurde Lyall bewusst, dass er sich Hals über Kopf verliebt hatte.


◊◊◊


Bereits wenige Wochen später nahm er all seinen Mut zusammen und gestand ihr seine Liebe. Zu seiner großen Verwunderung erwiderte Hope diese mit den Worten, ‚Das wurde aber auch Zeit‘.
Sie schenkte ihm sein, ach so geliebtes, Lachen, welches er nie wieder missen wollte. Er nahm Hope in seine Arme und küsste sie, in der Hoffnung, dass der Geschmack ihres Körpers für immer seine Lippen benetzen würde.

Sammy_Malfoy
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Re: Die Kindheit des Remus Lupin

Beitrag von Sammy_Malfoy »

OHAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!!! Ich liebe deinen Schreibstil und das Thema *-* Ich bin auf deine FF gestoßen und die ist soooooooo nice *-*
Always

ginny333
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Re: Die Kindheit des Remus Lupin

Beitrag von ginny333 »

Hi :)
Super Geschichte:)
[img]https://sp[/color].yimg.com/xj/th?id=OIP.M6917e1becc76552d09a2a25b6839b86cH2&pid=15.1&P=0&w=283&h=177[/img]

Zerafina
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Re: Die Kindheit des Remus Lupin

Beitrag von Zerafina »

Danke schön ihr zwei. (:

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Kapitel 2 | Was um alles in der Welt ist ein Muggel?

03. September 1958

Lyall stand aufgeregt vor ihrer Tür, er hatte versucht sich so muggelartig wie möglich zu kleiden. Das weiße Hemd steckte in einer Jeanshose, die nur von einem braunen Gürtel davon abgehalten wurde zu Boden zu gleiten. Er hatte Hope von der nächstgelegenen Wiese einen Blumenstrauß gepflückt. Er wusste, dass sie Wildblumen mochte.


◊◊◊


»Du bist aber früh dran«, Hope kam die Treppe herunter gelaufen und gab Lyall einen Kuss auf die Wange. Sie trug ein rotes Kleid, welches ihr Knie umspielte und dazu schwarze Pumps. Ihr hellbraunes Haar hatte sie mit einer Spange am Hinterkopf befestigt.

Lyall lächelte. Als Entschuldigung für sein Zufrühkommen, streckte er ihr den Strauß Blumen entgegen. Hope nahm diesen dankend an und vergrub ihre Nase tief in den Blüten, um so den betörenden Duft aufzunehmen. Die weißen Magarithen und das orangrote Habichtskraut harmonierten gut mit den pinken Blüten der wilden Malve und ergaben ein sommerliches Bild.
»Der ist wunderschön«, Hope lächelte freudestrahlend, »entschuldige mich einen kurzen Moment«


◊◊◊


Sie verschwand kurzerhand ins Haus zurück und stellte die Blumen vorsichtig in eine blaue Vase, die sie zuvor aus dem Küchenschrank geholt hatte. Vor dem Fenster sah man Lyall, wie er aufgeregt von einem Bein aufs andere trat. Hope grinste und stellte den Wasserhahn der Küchenspüle an. Nachdem sie mit ihrem Finger die Wassertemperatur kontrolliert hatte, füllte sie die Vase mit lauwarmem Wasser und stellte diesen auf das Fensterbrett. Sie vergrub abermals ihre Nase in den bunten Strauß, ehe sie freudestrahlend wieder unter den freien Himmel trat.


◊◊◊


Lyall, der damit beschäftigt war seine Finger zu kneten, schreckte durch das Zufallen der Haustür zusammen. Er sah wie seine Auserwählte sorglos die Stufen der steinernen Treppe herunter kam und richtete sich auf. Hope stellte sich vor ihn und lächelte.

»Und was hast du heute mit mir vor? «, sie wickelte unbewusst eine Haarsträhne um ihren Finger.
»Ich wollte mit dir reden«, Lyall zuppelte nervös am Ärmel seines viel zu großen Hemdes und räusperte sich.
Hope bemerkte seine Nervosität. In der Hoffnung, dass es ihm half, bot sie an ein Stückchen zu gehen. Lyall nahm das Angebot dankend an und so liefen sie an den Mehrfamilienhäusern, mit ihren kleinen Vorgärten, vorbei.

Ohne, dass einer von ihnen ein Wort gesagt hatte, gelangten sie an den Rand des Waldes. Wie es das Schicksal so wollte kamen sie, ohne es wirklich zu realisieren, in genau dem Waldabschnitt an, wo sie sich das erste Mal trafen. Lyall schwieg noch immer.
Hope konnte es nicht mehr aushalten, sie drehte sich zu Lyall um und brachte ihn mit ihrem Arm zum Halten.

»Was wolltest du mir sagen? «, sie sah ihn tief in die Augen, »Du bist doch sonst nicht so still«, ihre Stimme zitterte leicht.
»Es ist nichts Schlimmes«, Lyall stotterte, »ich meine, nicht wirklich Schlimmes«, er wurde rot, sein Herz begann zu rasen.
Hope nahm seine Hand in die ihre und drückte sie leicht. War Lyall vor ihrer Beziehung auch schüchtern und wortkarg gewesen, so hatte er sich schlagartig geändert, als auch sie ihm ihre Liebe gestand. Aus diesem Grund machte sie sich Sorgen, als sie nun in sein Gesicht sah. Auf seiner Stirn bildeten sich kleine Schweißperlen, er wich ihrem Blick aus.

»Eigentlich wollte ich dich etwas fragen, aber zuvor solltest du die Wahrheit kennen«, Lyall spürte den sanften Druck ihrer Hand, »Es geht um den Mann der dich damals angegriffen hat. Er war kein … war kein … richtiger Mann«, er stotterte. Er wollte ihr alles sagen, die ganze Wahrheit. Er wusste was auf dem Spiel stand.

»Mich etwas fragen? «, fragte Hope.
»Und was meinst du mit ‚Er war kein richtiger Mann? «, sie lachte unsicher.
Lyall atmete tief ein und richtete seinen Körper gerade auf.
»Du warst damals nie wirklich in Gefahr. Ein Irrwicht hat dich angegriffen, eine geistähnliche Gestalt die sich, sobald jemand sie zu Gesicht bekommt, in das Schrecklichste und Schlimmste was man sich nur vorstellen kann, verwandelt. «, Lyall atmete schwer aus, ganz so als ob all die Last von seinem Herzen genommen wurde.

»Ein Irrwicht also? «, Hope lachte laut » Und ich dachte das ist nur ein Schimpfwort«
Doch als sie in das ernste Gesicht des jungen Mannes schaute, verstummte ihr Lachen augenblicklich.
»Du meinst das ernst? «, fragte sie unsicher.
Als er zur Zustimmung nickte, ließ sie automatisch seine Hand los und zog die Augenbrauen hoch.
»Wirklich ernst? «, sie schüttelte ungläubig den Kopf.
Lyall nickte erneut.

»Aber… aber wie kann das sein«, Hope stotterte.
Es war das erste Mal in seinem Leben, dass Lyall sie so erlebte. Verunsichert, stotternd. Jetzt war es er, der ihre Hand nahm.
»Bitte beruhige dich«, er drückte ihre Hand.

»Aber wie ist das möglich? «, sie sah ihn ungläubig an, »Gibt es diese Irrwichte oft? Kann es sein, dass ich solchen schon des Öfteren begegnet bin, ohne es zu wissen? «, Hope war aufgewühlt. Sie wusste nicht ob sie ihm glauben sollte oder nicht. Im ersten Moment dachte sie, dass er sich einen Spaß erlaubte, doch dann sah sie sein ernstes Gesicht. Warum sollte er sie belügen, eine derartige Geschichte ausdenken? Er war nicht die Mensch dazu. Sie wusste, dass er ihr die Wahrheit sagte. Sie spürte es. Sie vertraute ihm.

»Ja solche gibt es öfters. Sie verstecken sich in der Dunkelheit, oft in Truhen und Schränken«, Lyalls Stimme überschlug sich. Er wollte sein Herz erleichtern, ihr die ganze Wahrheit erzählen, ab diesem Tag mit offenen Karten spielen.

Hope schüttelte abermals ihren Kopf. Sie versuchte zu verstehen, ohne, dass sie realisierte was gerade geschah.
»Aber woher wusstest du das? Woher wusstest du, dass es kein Mann, sondern ein Irrwicht war«, fragte sie leise, »Ich verstehe das nicht. Hast du irgendein Talent? Oder wieso habe ich das nicht gemerkt, wieso habe ich noch nie etwas davon gehört? «

»Es ist schwer zu erklären«, er schluckte. Lyall wusste, dass es kein Zurück mehr gab, er wusste, dass er sie liebte und hoffte, dass auch sie es tat. Er akzeptierte sie so wie sie war, in der Hoffnung, dass auch sie ihn akzeptieren würde.
»Es gibt wohl Vieles von dem du noch nichts gehört hast«, er sagte es ohne vorwurfsvoll zu klingen, »Ich…ich bin…«, Lyall gab sich den letzten Ruck, »Ich bin ein Zauberer«

Hope schwieg. In ihrem Kopf kreiste es. Ein Zauberer? Sekunden vergingen ehe sie sich zu Wort meldete.
»Wieso hast du es mir nicht schon eher gesagt? «, noch immer ihre Hand in der seinen, trat sie einen Schritt auf ihn zu.

»Ich wollte nicht, dass du denkst, dass ich nur den Helden spielen wollte. Ich hätte auch nicht gewusst wie ich dir die Wahrheit erklären sollte. Ich… «, Lyall hielt kurz inne ehe er fortfuhr, »Außerdem hättest du mir bestimmt nicht geglaubt. Und ich konnte auch nicht riskieren, dass du…, da du keine…«, seine Stimme versagte.
Seine Beine waren wackelig, sein Herz raste. Er atmete tief durch.
»Ich konnte es nicht sagen, da du keine Hexe bist«, er sah ihr tief in die Augen, »Versteh mich nicht falsch, es liegt nicht daran, dass du ein Muggel bist. Es ist nur… wir können unsere wahre Identität nicht jedem Preis geben, weil… alles was in der Vergangenheit passiert ist… und das Gesetz verbietet…«, er stotterte. Lyall hatte die Worte zuvor so oft durchgesprochen, er wollte alles richtig machen, doch im Moment war sein Kopf leer. Er konnte keinen klaren Gedanken fassen.

Hope sah, dass er mit sich kämpfte. All ihre Fragen und Zweifel herunterschluckend versuchte sie die Fassung zu bewahren.
»Ich verstehe das schon«, sie versuchte zu lächeln, »Irgendwie«
Sie musste an all die Geschichten denken, die sie gehört hatte. Die Geschichten über Magie. Die Geschichten über Hexenverbrennungen. Zum ersten Mal in ihrem Leben glaubte sie an das Körnchen Wahrheit. Sie kam zu dem Entschluss, dass sie ihm alles glauben würde, da sie wusste, dass er nicht mit ihr spielte, da sie wusste, dass sie ihn liebte. Vertraute.
»Ich verstehe dich«, sie lächelte leicht, »Die Gefahr, dass ich dich verraten könnte wäre zu groß gewesen«, sie sah ihn tief in die Augen. Alle Zweifel herunterschluckend fuhr sie fort.
»Wenn du mir eins versprichst, Mr. Lyall Lupin, wenn du mir versprichst stets die Wahrheit zu sagen, und dass von Anfang an, dann verspreche ich dir, dass ich dich lieben werde, egal was kommt«, ihre Stimme war liebevoll, aber dennoch bestimmt.

Sie spürte, dass Lyall noch immer angespannt war. Er schien noch immer den Atem anzuhalten.
»Und eins sei dir gesagt, spätestens nach einem Monat hätte ich herausgefunden, dass du nicht den Helden spielen wolltest. Du bist nicht der Typ dazu«, sie gab ihm einen kleinen Stoß. Sie war noch immer durcheinander, erkannte aber, dass es Lyall genauso schwer fiel wie ihr. Sie wollte ihn weder verletzen noch verlieren. Sie würde ihm einfach vertrauen. Hope war sich immer sicher gewesen, dass die Welt noch viel mehr zu bieten hatte als sie sich vorstellen konnte. Warum sollte es dann nicht auch Zauberer geben?

Als Lyall noch immer nicht aus seiner Starre erwachte, trat Hope auf ihn zu und gab ihn einen Kuss auf die Wange.
»Ich würde nie etwas tun, was dir schaden könnte«, eine Träne löste sich aus ihrem Auge.


◊◊◊


Kurze Zeit später kamen sie an Hopes Wohnung an. Sie hatten versucht normal miteinander umzugehen. Was auch immer normal bedeutete. Jedes Gespräch über Alltagssituationen und Kleinigkeiten, sogar über das Wetter, fühlte sich falsch an.

Sie standen auf dem Gehweg vor ihrem Haus. Die Sonne verschwand langsam hinter dem Horizont und verfärbte den Himmel rot. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite fuhr ein Junge mit seinem Vater Fahrrad.

»Was wolltest du mich fragen? «, unterbrach Hope die Stille des anbrechenden Abends, »Und was um alles in der Welt ist ein Muggel? «
Lyalls Augen wurden groß. Sie hatte es nicht vergessen. An seinen ursprünglichen Plan zurück erinnert, begann sein Herz sogleich zu rasen an.

Er hätte niemals mit ihrer Reaktion gerechnet. Er konnte noch immer ihre Zweifel und Fragen in ihrem Gesicht ablesen. Sah, dass seine Offenbarung ihr zu schaffen machte. Dennoch war sie ihm verständnisvoll entgegen getreten. Deshalb und aus dem Grund, dass sie ihm das Versprechen gab ihn immer zu lieben, fühlte er sich ermutigt. Schlimmer konnte der Tag für ihre und seine Nerven nicht mehr werden. Er nahm allen Mut zusammen und kniete sich vor ihr hin.
Mit zitternden Händen kramte er in seiner Hosentasche. Er wollte das Kästchen, was er den ganzen Morgen über immer wieder auf und zu geklappt hatte, aus der Tasche holen. Doch es steckte fest. Seine Hände zitterten zu sehr.
»Hmpf«, er zerrte am Kästchen. Nach Sekunden des Kampfes, erreichte es die Freiheit. Nach Fassung ringend, klappte Lyall es auf. Auf rotem Samt gebettet lag ein silberner Ring. In dessen Mitte war ein kleiner Stein.
»Miss Hope Howell, ich möchte dich fragen ob du mich heiraten möchtest«, Lyall hielt den Atem an, sein Herz schlug ihm bis zum Halse.
Die Stille schien für ihn unendlich zu sein, es waren quälende Sekunden der Unwissenheit. Er sah wie sie ihren Mund öffnete, doch er hörte keine Antwort. Ihre Mimik veränderte sich, sie öffnete abermals ihren Mund.
»Lyall«, sagte sie laut.
»Ja? «, fragte er verwirrt. Sein Kopf war schon wieder leer.
»Ich habe ‚ja‘ gesagt und du reagierst nicht darauf«, Hope schenkte ihm ihr allerschönstes Lächeln. Eine erneute Träne suchte ihren Weg über ihre Wange.
»Du hast was? «, fragte Lyall perplex.
»Ja gesagt«, gab sie lachend zur Antwort, »Ja, ich möchte dich heiraten«

Erst jetzt realisierte Lyall was sie gesagt hatte, was das bedeutete. Mit noch immer zitternden Händen steckte er den Ring auf ihren Finger. Er nahm ihre Hand in die seine und versah diese mit einem Kuss, in dem er seine ganze Liebe für sie steckte. Hope errötete.


◊◊◊


Nach dem Lyall wieder etwas Fassung zurückgewonnen hatte und auf dem Sofa in Hopes Wohnung saß, sagte er: »Muggel sind übrigens Personen ohne magische Kräfte«
Hope, die gerade dabei war die Getränke zu servieren, verschüttete lachend ein Schluck des Weines. Eine rote Pfütze bildete sich unter ihren Füßen und bedeckte das braune Laminat. Sie stellte die Gläser auf den Couchtisch ab und beugte sich zu Lyall herunter und gab ihn einen Kuss.

Alle Zweifel und Sorgen schienen wie weggewischt.


◊◊◊


In den folgenden Wochen und Monaten war Hope damit beschäftigt die Hochzeit vorzubereiten. Sie legte so viel Herzblut hinein, dass Lyall kurzzeitig zweifelte ob es ihr um ihn oder doch nur die Feierlichkeit ging. Als er ihr das eines Tages sagte gab sie ihm eine kleine Kopfnuss und entgegnete, er solle so etwas gar nicht erst denken.
Er versuchte sie bei allen Vorbereitungen so gut wie möglich zu unterstützen. Nur bei der Hochzeitstorte hatte er kein Mitspracherecht, ganz so, als würde sie seinem Geschmack nicht trauen. Am Tag der Hochzeit wusste er wieso er bei dieser Wahl ausgeschlossen wurde.

Es war der schönste Tag seines bisherigen Lebens. Er hatte nur noch Augen für seine wunderschöne Frau, die in ihrem weißen bodenlangen Kleid hinreißend aussah.
Als es um den Anschnitt der Torte ging, einem alten Brauch aus der Muggelwelt, stockte er. Das konnte doch nicht wahr sein. Auf der Spitze der Torte stand, dem original täuschend ähnlich, der Irrwicht. Der Irrwicht, der das Brautpaar zusammen gebracht hatte. Für die Hochzeitsgäste war es eine komische und auch gruselige Gestalt, deren Dasein auf einer Hochzeitstorte mehr als fragwürdig war, doch für das Hochzeitspaar war es ein Symbol. Das Symbol ihrer Liebe.


◊◊◊


Knapp ein Jahr nach ihrer Hochzeit, am 10. März 1960, kam ihr einziges Kind zur Welt. Remus John Lupin.

moonshinedreamer
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Re: Die Kindheit des Remus Lupin

Beitrag von moonshinedreamer »

Du schreibst soooo gut! Dein Stil, die Geschichte, die Personen,...
Mach auf jeden Fall weiter!

Zerafina
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Re: Die Kindheit des Remus Lupin

Beitrag von Zerafina »

@moonshinedreamer Dankeschön. (:

Kapitel 3 | Bring die Welt zum Leuchten

11. März 1960

Es war ein unbeschreibliches Gefühl nach über neun Monaten ihren Sohn in den Armen zu halten, seine weiche Haut zu berühren, seine Wärme zu spüren. Alles war perfekt, seine kleine Stupfnase, seinen Füßchen, sein Mund, den er in diesem Moment zu einem Gähnen formte. Er musste viel schlafen, verschlief sogar das erste Treffen mit seinem Vater. Aber ihnen würden noch so viele Tage bleiben. Heute war erst der Anfang einer langen Reise.

Hope senkte langsam ihren Kopf, strich sanft mit ihrer Nase über Remus Stirn. In dieser Bewegung versunken bemerkte sie das Hereinkommen ihres Mannes nicht.


◊◊◊


Lyall stand im Türrahmen und betrachtete seine kleine Familie. Seine Frau drückte sanft ihren Sohn an sich. Sie hatte die Augen geschlossen und sog den Geruch der jungen Babyhaut auf.
Lyall schloss vorsichtig die Tür und trat auf leisen Sohlen in den Raum. Er wollte sie nicht erschrecken, wollte sie noch länger aus der Ferne beobachten, sein Glück genießen.
Es war ein unbeschreibliches Gefühl, seine Brust schwoll voller Stolz, Glück und Liebe. Doch da war auch die Angst, die hinter seinem Herzen lauerte, die die Arme bereits zum Angriff herausstreckte. Die Angst etwas falsch zu machen. Er würde alles dafür tun um die zwei wichtigsten Personen in seinem Leben zu schützen. Er würde alles tun um alles Schlechte von ihnen abzuschirmen.

Lyall bewegte sich langsam auf das Krankenbett zu. Der Raum war in einem sterilen Weiß gehalten. Allein der bunte Blumenstrauß, den er einen Tag zuvor gebracht hatte, versprühte etwas Farbe. Obgleich noch Platz für ein weiteres Bett vorhanden war, stand nur eines im Raum. Eine Hälfte des weißen Schrankes stand offen und zeigte nichts außer drei leere Regale. Lyall schätzte diesen Umstand ungemein. Er wollte die Zeit mit seiner kleinen Familie in Ruhe genießen.

»Hallo ihr zwei«, seine Stimme zu einem Flüstern erhoben, beugte sich Lyall zu seiner Frau herunter und strich sanft über das Haupt seines Kindes.
»Ich habe euch etwas mitgebracht«, er holte eine Tafel Schokolade hinter den Rücken hervor und hielt sie in die Luft, »Damit ihr schneller mit mir nach Hause kommen könnt«
»Danke schön«, Hope lachte. Sie drehte ihren Kopf leicht nach links und nickte. Signalisierten ihrem Mann so, dass er das Mitbringsel dort ablegen konnte.
»Bei Remus kommt die Schokolade zwar erst später an, aber er wird sich sicher auch freuen«, sie zwinkerte Lyall zu und strich Remus sanft über die Stirn.

Lyall setzte sich auf die Kante des Krankenhausbettes.
»Möchtest du ihn halten? «, ohne auf eine Antwort zu warten, legte Hope Remus behutsam in die Arme seines Vaters. Dieser war noch etwas unbedarft und blickte fragend zu seiner Frau.
»Keine Angst, du machst nichts falsch«, sie lachte.
Noch immer ungewohnt, hielt Lyall das kleine Bündel im Arm und betrachtete Remus kleines Gesicht. Er hatte die Augen geschlossen. Ein leichter Flaum bedeckte seinen Kopf.

»Ich glaube er ist schwerer geworden«, Lyall lächelte.
»Sei nicht albern, du hattest ihn erst vor ein paar Stunden auf den Arm«, Hope schüttelte lachend den Kopf, »Und Schokolade hat er noch nicht gegessen«

Lyall hatte Zweifel gehabt, ob er bereit für ein Kind war. Ob er Remus sicher im Arm halten könnte. Doch als er Remus das erste Mal berührte, sein Gewicht in seinen Armen spürte, wusste er es. Auf einmal war alles richtig, wie vorbestimmt. Voller Selbstverständlichkeit übernahm er die Rolle des Vaters.


◊◊◊


Vier Jahre später. März 1964

Remus saß auf seinem Stuhl und wartete aufgeregt auf seine Eltern. Diese waren in der Küche verschwunden, sagten, dass sie gleich wieder bei ihm wären, eine Überraschung hätten. Er wurde hippelig, rutschte unruhig hin und her.
Da betrat seine Mutter den Raum. In ihrer Hand balancierte sie eine Torte, auf der drei brennende Kerzen standen. Sie kniete sich freudestrahlend vor ihn hin. Die Torte direkt vor seinem Gesicht.

Remus war gewachsen, sein braunes Haar war länger geworden, seine wissbegierigen grünen Augen strahlten im Schein der Kerzen. Seine Mutter sagte oft, dass er seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten sei. Genauso oft entfachte dies ein Wortgefecht zwischen seinen Eltern. Sein Vater entgegnete stets, wie froh er sei, dass Remus die wunderschönen Augen seiner Mutter geerbt hatte. Woraufhin seine Mutter stets mit dem Kopf schüttelte und versicherte, wie froh sie war, dass Remus so sehr nach seinem Vater kam.

Hope kniete noch immer vor ihrem Sohn.
»Puste die Kerzen aus, mein Schatz«, sie nickte Remus aufmunternd zu und hob die Torte noch etwas näher an sein Gesicht, »Dann kannst du dir etwas wünschen«
Wie es bei den Muggeln üblich war, durfte sich das Geburtstagskind, in dem es die Kerzen ausblies, etwas wünschen. Dieser Wunsch würde sich aber nur erfüllen, wenn man stark genug daran glaubte und diesen niemals laut aussprach.
Remus war erst vorletzte Woche auf einem Kindergeburtstag gewesen. Er wusste was man machen musste. Er spulte in Gedanken den Hergang ab und kniff die Augen zusammen.
Er holte tief Luft. Seine Wangen plusterten sich auf und wurden immer größer. Er schien alle Luft der Welt in seinen Wangen zu sammeln. Sein Gesicht verfärbte sich bereits rot und seine Augenbrauen zogen sich zusammen, da pustete er alles heraus. Vergeblich. Die Kerzen brannten noch immer fröhlich vor sich hin. Sie flackerten nur kurz auf, als sie vom Lufthauch getroffen worden. Ein erneuter Versuch. Scheiterte. Remus schloss noch einmal die Augen und versuchte sein Glück. Im nächsten Augenblick war das Licht erloschen.

Remus war überglücklich, sah in die stolzen Gesichter seiner Eltern. Er mochte es, wenn sie sich freuten, wenn er sie glücklich machen konnte. Just in diesem Moment, mit einem lachenden Herzen in der Brust, entzündeten sich die Kerzen auf der Torte wie durch Zauberhand.

»Remus, es gibt immer nur einen Wunsch«, ermahnte ihn seine Mutter scherzhaft. Sie hatte sich mittlerweile an die Magie in ihrer Familie gewöhnt. Lyall hatte ihr alles erzählt, über sein Leben, seine Arbeit, Hogwarts, die Winkelgasse und Bertie Botts Bohnen in allen Geschmacksrichtungen. Sie hatte sich trotzdem erschrocken als eines Tages etwas Unerwartetes geschehen war.

Remus war gerade zwei Jahre alt geworden, als vor ihren Augen die Vase - ein Geschenk ihrer Schwiegereltern - verschwand. Sie war sofort zu ihrem Mann gerannt, fragte ob das normal sei.
Dieser hatte sie mit den Worten beruhigt, dass Remus wohl gehört hatte, wie sie immer über diese hässliche Vase schimpfte und es vielleicht besser war, dass sie verschwand. Hope erinnerte sich noch genau an ihre Reaktion.
»Dann ist Remus… da ist er auch«, hatte sie stotternd hervorgebracht.
»Ein Zauberer. Davon würde ich ausgehen, die Anzeichen lassen es vermuten«, hatte Lyall ihren Satz beendet.
Hope hatte sich auf einen Stuhl fallen lassen und die Hände vors Gesicht geschlagen.
»Zwei Zauberer. Ob ich dem gewachsen bin«, hatte sie gesagt.
Lyall hatte sie daraufhin erschrocken angesehen.
»Das war ein Scherz. Ich habe dir doch gesagt, dass ich froh bin, dass er nach seinem Vater kommt«, hatte Hope lächelnd ihrem Mann versichert.

Auch jetzt hatte Remus dafür gesorgt, dass die Kerzen wieder brannten. Doch er wollte keinen neuen Wunsch, er wollte einfach, dass seine Eltern glücklich waren, er wollte die Kerzen noch einmal auspusten um sie lächeln zu sehen. Nichts mehr und nichts weniger.


◊◊◊


Wenig später machte sich Hope mit Remus auf den Weg zum Spielplatz. Lyall musste kurzfristig zur Arbeit. Ein scheinbarer Notfall, der sein Kommen unabdingbar machte. Hope vermutete, dass es mal wieder ein Irrwicht war, der sein Unwesen trieb.
Hope und Remus liefen über die belebte Straße. Nach einer fast viermonatigen Frostperiode schienen alle Bewohner der Vorstadt, mit dem ersten Sonnenstrahl, magisch nach Draußen gezogen worden zu sein.
In einem der Vorgärten beugte sich eine ältere Frau über ihr Beet. Eine Hand voller Unkraut, die andere stützend am Boden ruhend. Da rutschte ihr Strohhut zu Boden.
»Mist«, sie fluchte.
Ein Haus weiter die Straße entlang, stand ein großes silbernes Auto in der Auffahrt. Der Besitzer seifte es voller Hingabe ein und wischte behutsam über den empfindlichen Lack. Auf seinem Gesicht lag ein zufriedenes Lächeln.

Nur wenige Schritte weiter, in unmittelbarer Nähe des Hauses der Lupins, lag der Spielplatz. Remus war gern hier, er schaukelte am liebsten, mochte es, wenn der Wind durch seine Haare fuhr. Da er mit seinen kleinen Beinchen noch nicht sehr hoch schaukeln konnte, half seine Mutter das ein oder andere Mal nach. Er wollte so hoch wie möglich schaukeln, mit seinen Füßen den Himmel berühren. Doch seine Mutter sah dies nicht gern. Sie machte sich so schnell Sorgen um ihn, hatte Angst, dass er sich verletzte, von der Schaukel fiel, sich sein Knie aufschlug. Dabei war ihm noch nie etwas Schlimmes passiert.


◊◊◊


Hope beobachtete ihren Sohn, sah wie ein Junge auf ihn zuging und Remus ansprach. Remus lächelte schüchtern, fuhr sich – ganz nach der Manier seines Vaters - durchs Haar. Hope wusste, dass Remus seine Zeit brauchte ehe er auftaute. Sie wusste aber auch, dass er Zuhause alles andere als schüchtern war und durch das Haus wirbelte. Er brachte so viel Leben in ihre vier Wände. Solange er glücklich war, war sie es auch, egal wie schlecht es ihr ging. Ein Lachen von ihm reichte und alle dunklen Wolken verschwanden.

Sie sah wie die beiden Kinder im Sand spielen. Zuerst hatte sie Angst gehabt, dass Remus etwas Magisches passieren lassen könnte, um die anderen Kinder zu beeindrucken, sie zum Staunen oder zum Lachen zu bringen. Doch diese Sorgen hatten sich bis jetzt nicht erfüllt. Er war ein ganz normaler kleiner Junge. Laut ihrem Mann, ein Muggel wie er im Buche stand.

Erst vor wenigen Monaten hatte sie ihre Sorgen zwecks Magie mit ihrem Mann geteilt. Dieser hatte ihr daraufhin erklärt, dass dies schwer zu kontrollieren sei und meist durch starke Emotionen ausgelöst wurde.
Da war Remus, auf nackten Füßen tippelnd, in den Raum gekommen. Scheinbar hatte er die Worte seiner Eltern gehört. Sein Gesicht war mit Schokolade vollgeschmiert. Unübersehbar, hatte er den Schokoriegel in der Küche entdeckt und ihn zum Abendbrot verspeist. Dabei sollte er nach dem Zähneputzen nichts mehr essen.
»Wenn du nicht willst, dann zaubere ich nicht Mama«, Remus hatte gelächelt. An seinen kleinen Zähnen hatte der Rest des Riegels geklebt.
»Ist schon gut Remus, du brauchst dir keine Sorgen machen«, Hope hatte ihren Sohn auf den Schoß genommen und ihm mit einem Taschentuch das Gesicht sauber gewischt.
»Jetzt müssen wir noch einmal die Zähne putzen«, sie hatte den Kopf geschüttelt, »Danach geht es, husch, ab ins Bettchen«
Remus war von ihrem Schoß gehüpft.
»Husch, husch«, Hope hatte ihn mit beiden Armen weiter gewunken. Remus hatte sich umgedreht, die Geste seiner Mutter gesehen und war schneller geworden.
»Nicht so schnell Remus«, Hope hatte die Arme nach vorn gestreckt.
Doch zu spät, da hatte sie bereits einen lauten Knall vernommen. Remus war der Länge nach auf den Holzfußboden gefallen. Hopes Herz hatte einen Satz gemacht, sie war zu ihren Jungen hingerannt und hatte ihn hochgehoben
»Ist alles ok, Schätzchen? «, Hope war auf die Knie gegangen und hatte ihrem Sohn hochgeholfen.
»Du machst dir eindeutig viel zu viele Sorgen«, hatte Lyall gesagt.
Hope hatte sich daraufhin verärgert zu ihm umgedreht. Doch da war Remus schon längst wieder auf den Beinen und war Richtung Badezimmer gerannt.

Auch jetzt stockte ihr Herz, als Remus einen Eimer vor den Kopf bekam.


◊◊◊



Am späten Abend kam Lyall von der Arbeit wieder. Er wurde bereits von seiner Frau erwartet.
»Du kommst aber ziemlich spät nach Hause«, begrüßte sie ihn.
»Entschuldige. Im Ministerium war das Chaos los«, Lyall zog seinen Mantel aus und hängte diesen an den Kleiderhacken im Flur. Er war nach dem langen Arbeitstag todmüde und sehnte sich nach seinem Bett.
»Remus liegt schon im Bett«, Hope trat zu ihm und umarmte ihren Mann, »Ich dachte ich warte bis du kommst, damit du ihm eine Gutenachtgeschichte vorlesen kannst«, sie nahm seine Tasche hoch und ging in die Küche.

In Remus Zimmer angekommen, sah Lyall wie sein Sohn auf den Boden saß und mit einem gelben Lastwagen, der auf seinen Hänger mehrere Besen transportierte, spielte.
»Jetzt aber ab ins Bett«, sagte Lyall, an den Türrahmen gelehnt.
»Papa«, Remus rannte auf ihn zu und klammerte sich um die Beine seines Vaters. Auf seiner Stirn prangte eine kleine Beule.
»Schon gut«, Lyall lachte. Er nahm seinen Sohn in die Arme und trug diesen in dessen Bett. Er deckte Remus mit der blauen Bettdecke zu und nahm ein Buch vom Nachtschrank.
»Welches soll es heute sein? «, Lyall begann bereits zu blättern.
»Babbity Babbity«, rief Remus.
»Gut«, Lyall lachte. Er und Hope lasen ihrem Sohn abwechselnd vor, sowohl Märchen aus der Muggel- als auch der Zauberwelt. Babbity Rabbity stand weit oben in Remus Beliebtheitsskala.

Sie waren noch nicht einmal beim gackernden Baumstumpf angekommen, da hörte er ein leises Atmen. Remus war eingeschlafen. Lyall stand langsam auf, klappte das Buch zu, legte es zurück auf den Nachttisch, schaltete das Licht aus und ging hinaus.
Er blieb in der Tür stehen und drehte sich um. Er konnte noch immer nicht glauben, dass es sein Sohn war, der dort friedlich in seinem Bettchen schlief.

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